Vorwort

 

Der »Dialog aus christlichem Ursprung« mit anderen Religionen und Weltanschauungen gehört neben den innertheologisch-christlichen Arbeitsfeldern zu den zentralen Aufgaben der vor zehn Jahren gegründeten Eugen-Biser-Stiftung. Innerhalb des interreligiösen und interkulturellen Dialogs befasst sich die Stiftung aufgrund der hohen gesellschaftlichen Bedeutung insbesondere mit der Verständigung zwischen Christen und Muslimen. In Deutschland leben ca. vier Millionen Muslime. Mehr als die Hälfte von ihnen ist türkischer Herkunft. Deshalb war es naheliegend, den Dialog mit dem Islam zu intensivieren.

Bei ihrer Suche nach geeigneten Gesprächspartnern für den wissenschaftlich-theologischen Dialog ergab sich für die Eugen-Biser-Stiftung im Jahre 2005 die Gelegenheit, gemeinsam mit der Islamisch-Theologischen Fakultät der Universität Ankara – Ankara Üniversitesi İlâhiyat Fakültesi – abwechselnd in Ankara und München Symposien zu Grundpositionen des heutigen christlichen bzw. islamischen Selbstverständnisses durchzuführen. Auf diesen Veranstaltungen, bei denen sich die muslimischen Wissenschaftler der türkischen, die christlichen der deutschen Sprache bedienten, sahen sich hochqualifizierte Übersetzer vor außerordentliche Probleme gestellt: Es fehlten auf beiden Seiten entsprechende Referenzwerke. Diese Lücke zu schließen, war das Gebot der Stunde. Die Eugen-Biser-Stiftung schätzt sich glücklich, in der Islamisch-Theologischen Fakultät der Universität Ankara einen prominenten und kompetenten Partner und in der damaligen Dekanin, Prof. Dr. Mualla Selçuk, und dem seinerzeitigen Vizedekan, Prof. Dr. Halis Albayrak, hoch motivierte Mitherausgeber für ein solches Lexikon gefunden zu haben. Es ist eine besondere Auszeichnung, dass der Präsident der Universität Ankara, Prof. Dr. Erkan İbiş, sich unterstützend mit dem Projekt befasst und die Veröffentlichung der türkischen Fassung des Lexikons durch die Universität Ankara nachhaltig gefördert hat.

Auf dieser Grundlage konnte die Eugen-Biser-Stiftung die Initiative und Verantwortung für das anspruchsvolle Projekt übernehmen – eine Pionierarbeit von höchstem Anspruch und großem Aufwand, wie sich im Laufe der Arbeit zunehmend herausstellte. Die Stiftung beauftragte gemeinsam mit den beiden vorgenannten muslimischen Herausgebern als christliche Herausgeber Prof. Dr. Dr. Peter Antes, Prof. Dr. Richard Heinzmann und Prof. Dr. Martin Thurner, wobei Prof. Dr. Richard Heinzmann die wissenschaftliche Gesamtverantwortung übernahm. Gemeinsam haben die Herausgeber mehrere Jahre lang mit außerordentlichem Engagement bei der Erstellung des Lexikons zusammengearbeitet und auch selbst Artikel verfasst.

Dem Projekt liegt folgende Konzeption zugrunde:

  • Das Lexikon sollte in einem überschaubaren Umfang bleiben. Daher beschränkte man sich für die Nomenklatur übereinstimmend auf je ca. 330 Grundbegriffe aus Christentum und Islam, die nach Möglichkeit unter Einschluss grundlegender interkultureller sowie gesellschaftsbezogener Gesichtspunkte zu verfassen waren. Das Lexikon enthält keine religionswissenschaftlich kommentierenden Aspekte, vielmehr werden die beiden Religionen, Christentum und Islam, unabhängig voneinander dargestellt.

  • Die islamischen Artikel wurden ausschließlich von muslimischen und die christlichen Artikel ausschließlich von christlichen Wissenschaftlern auf Türkisch bzw. auf Deutsch verfasst. Sie in die jeweilige andere Sprache zu übersetzen stellte die Übersetzer vor höchste Anforderungen. Die Autoren erläutern die Stichworte nach ihren theologischen und kulturellen Überzeugungen mittels ihrer jeweiligen wissenschaftlichen Methode. Die jeweiligen Autoren tragen die wissenschaftliche Verantwortung für ihre Artikel.

  • Das gesamte Lexikon erscheint in einer deutschen und in einer türkischen Ausgabe in Deutschland und in der Türkei. Die gleichzeitige Vorlage beider Ausgaben ermöglicht es den in Deutschland lebenden Muslimen türkischer Abstammung, bei Bedarf die türkische Ausgabe des Lexikons zurate zu ziehen.

  • Das Lexikon soll auch in weitere Sprachen übersetzt werden.

Es ist für die Eugen-Biser-Stiftung eine große Freude, das zweibändige Werk nach jahrelanger, intensiver Arbeit aller Beteiligten der Öffentlichkeit zu präsentieren. Seine Realisation war nur möglich aufgrund des großen Engagements vieler Mitwirkender. Die Eugen-Biser-Stiftung ist allen Beteiligten zu hohem Dank verpflichtet: den fünf Herausgebern, den Autoren, den Übersetzern, den wissenschaftlichen Mitarbeitern auf deutscher Seite: Père Xavier Jacob, Dr. Melike Nihan Alpargın, Sami Alphan M. A., Dipl.-Theol. Hannes Bräutigam, Dr. Rainer Jehl, Dr. Michael Kiefer, Jan Litty M. A., Dr. Özgür Savaşçı, Dr. Denis Schmelter, Prof. Dr. Dr. Bertram Schmitz, Nesrin Semen M. A., Prof. Dr. Erdal Toprakyaran und auf türkischer Seite: Prof. Dr. Ahmet Nedim Serinsu, Prof. Dr. Mahmut Ay, Doç. Dr. İhsan Çapcıoğlu, Yrd. Doç. Dr. Engin Erdem und Yrd. Doç. Dr. Esra Gözeler. Besonders genannt sei Dr. Ayşe Başol, die mit hoher wissenschaftlicher und interreligiöser Kompetenz die Hauptlast der Redaktionskonferenzen mitgetragen hat. Die ehrenamtlichen Mitglieder des Vorstands der Eugen-Biser-Stiftung, Dr. Karl Hubertus Eckert, Marianne Köster und Jutta Lowag, haben sich auf je eigene Weise um das vorliegende Werk sehr verdient gemacht, einen besonders wichtigen Beitrag hat durch seine umsichtige, vorzügliche Kooperation mit den öffentlichen Geldgebern Dr. Armin Herbst geleistet.

Alle Anstrengungen um die Erstellung des Lexikons wären fruchtlos geblieben ohne die großzügige Unterstützung durch öffentliche und private Sponsoren. Unser ganz besonderer Dank gilt dem Europäischen Integrationsfonds, dem Bundesministerium des Innern, dem Deutschen Bundestag, der Robert Bosch Stiftung, der Koç-Stiftung, Istanbul, sowie privaten Sponsoren und Freunden der Eugen-Biser-Stiftung, insbesondere Barbara Lambrecht-Schadeberg und unserem Kuratoriumsmitglied Dr. Ulrich Wechsler.

Die Mittel des Europäischen Integrationsfonds und des Bundesministeriums des Innern werden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Nürnberg, verwaltet. Dessen Präsidenten, Dr. Albert Schmid, seinem Nachfolger im Amt, Dr. Manfred Schmidt, und den Mitarbeitern des BAMF möchte die Eugen-Biser-Stiftung für die gute Kooperation ihren herzlichen Dank aussprechen.

Besondere Erwähnung verdient schließlich die kompetente verlegerische Betreuung durch den Herder Verlag, Freiburg. Der im Jahre 2011 verstorbene Seniorchef, Dr. Herrmann Herder, war der Eugen-Biser-Stiftung als Kuratoriumsmitglied eng verbunden. Seiner wertvollen Beratung gemeinsam mit dem Cheflektor, Dr. Rudolf Walter, wie der sehr guten Zusammenarbeit mit dem für die Publikation zuständigen Lektor, Dr. German Neundorfer, gilt unser besonderer Dank.

München, im Sommer 2013

Dr. Heiner Köster

geschäftsführender Stiftungsrat

Der Artikel ist auch in English und Turkish verfügbar.