Blasphemie (chr.)

 
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(türk. Blasfemi/Kutsala Hakaret)

Unter Blasphemie versteht man die bewusst mit verunglimpfender Intention vorgenommene Herabwürdigung oder gar Schmähung Gottes, seines Namens oder auch jener Gedanken, Worte und Gegenstände, die am Bereich seiner Heiligkeit besonderen Anteil haben (z. B. heilige Schriften, Glaubenssätze, Riten, Kultgegenstände, Kirchen, Sakramente). Im jüdisch-christlichen Bereich wiegt Blasphemie nicht zuletzt deshalb besonders schwer, weil sie als Verstoß gegen das zweite Gebot des Dekaloges betrachtet wird (Ex 20,7: »Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht«; vgl. auch Dtn 5,11). Das destruktive Potenzial blasphemischer Akte findet seinen Grund primär darin, dass der Mensch im Vollzug der Lästerung sich selbst hochmütig nicht nur über seine religiösen Mitmenschen, sondern auch über Gott erhebt und dadurch die Schöpfungsordnung pervertiert. Blasphemie ist so im Kern eine Negierung der eigenen Endlichkeit. Daraus resultiert auch die massive soziale Wirksamkeit der Blasphemie als Beleidigung und Verletzung von religiösen Gefühlen der Gläubigen. Gerade im sozialen Kontext gilt es aber zu unterscheiden, welche Absicht hinter einer als blasphemisch empfundenen Aussage tatsächlich steht. Zum einen kann hinter der Relativierung einer fremden Religion nur die Intention stehen, die Besonderheit und Größe des eigenen Glaubens nach innen hin deutlich zu machen, ohne dabei die Anhänger fremder Religionen unmittelbar zu adressieren; in diesem Sinne findet sich schon im Alten Testament die Benennung der Götter der anderen Religionen als »Götzen« (z. B. Ps 135,15). Freilich sollte von solchen Formen der religiösen Selbstdarstellung im gegenwärtigen Zeitalter der globalen Kommunikation definitiv Abstand genommen werden, weil deren Außenwirkung missverständlich werden und fatale Folgen haben kann. Vor allem im künstlerischen Bereich können blasphemische Elemente den religiösen Menschen dazu aufrütteln, über die zur Routine gewordenen Inhalte seines Glaubens neu nachzudenken oder missbräuchliche Anwendungen der Religion als solche zu erkennen. In diesem Sinne wird Blasphemie zum Grenzfall einer legitimen Religionskritik. Nicht zu rechtfertigen sind Formen von Blasphemie, die von vornherein allein zur Herabwürdigung gläubiger Menschen dienen. In diesem Fall stellt sich die Frage, wie ein gläubiger Christ auf eine solche Art rein negativer Blasphemie reagieren soll. Nach dem Vorbild Jesu, an den selbst im Zusammenhang mit seinem Selbstverständnis als Messias der Vorwurf der Gotteslästerung herangetragen wurde (Mk 14,60  65), sollten blasphemische Angriffe keinesfalls erwidert, sondern im Gegenteil mit Feindesliebe (Mt 5,44) beantwortet werden. Deshalb steht, wie bereits im Alten Testament gesagt wurde, eine eventuelle Bestrafung der Blasphemie allein Gott zu.

Martin Thurner

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