Christentum (isl.)

 
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(arab. Masihiyya, Nasraniyya, türk. Hıristiyanlık)

Im Koran werden die Angehörigen des Christentums als Nasara bezeichnet oder auch Leute des Evangeliums, Leute des Kreuzes, Leute des Buches genannt. Der Koran erwähnt die Gläubigen und die Schriftbesitzer, Christen und Juden, nebeneinander. Für sie gilt folgende Verheißung: »Siehe, diejenigen, die glauben, die sich zum Judentum bekennen, die Christen und die Sabier – wer an Gott glaubt und an den Jüngsten Tag und rechtschaffen handelt, die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn, sie brauchen keine Furcht zu haben und sollen auch nicht traurig sein!« (2 / 62; vgl. 5 / 69). Der Koran erwähnt Jesus und seine Mutter Maria voller Liebe und Hochachtung (3 / 42  51). Doch werden die Christen kritisiert, weil sie Jesus, einen Menschen und Propheten, zum Gott erklärt, das Evangelium verfälscht (2 / 75, 79, 85; 3 / 78), die ihnen gesandte Offenbarung abgeändert (4 / 171) und einen Teil dessen, was im Evangelium stand, verborgen und vergessen (5 / 14  15) hätten.

Liest man die auf das Christentum bezogenen Koranverse genau, so fällt auf, dass Jesus, im Gegensatz zur christlichen Auffassung, als Knecht Gottes und Sein Prophet bezeichnet wird. Er selbst betonte nach dem Koran: »Ich kam zu euch, um zu bestätigen, was vor mir war von der Tora, und um euch manches von dem zu erlauben, was euch verboten war. […] Siehe, Gott ist mein Herr und euer Herr! So dienet Ihm! Das ist ein gerader Weg« (3 / 50  51). Die Christen haben ihn nach seinem Tod trotz seiner klaren gegenteiligen Verkündigung, wie der Koran sagt, zur Gottheit erhoben und somit Gott beigesellt. Dieser Gottesvorstellung haben sie später den Heiligen Geist hinzugefügt und den Trinitätsglauben entwickelt. Im Koran werden die Christen aufgrund dieser dreieinigen Gottesvorstellung kritisiert und diejenigen, die sich zu dieser Glaubensform bekennen, als Leugner (kafir, Pl. kuffar) bezeichnet (5 / 17, 72  73).

Im Koran wird auch das Mönchtum kritisiert, weil es nicht zum Wesen des Christentums gehört, sondern später eingeführt wurde, um das Wohlgefallen Gottes zu erlangen. Darüber hinaus ist es auch nicht »in der rechten Weise« bewahrt worden (57 / 27). Das Mönchtum war anfangs durch den Verzicht auf menschliche Wünsche und die Abkehr von der Welt geprägt. Einige Mönche und Geistliche jedoch nutzten das dahingehend aus, dass die christliche Gemeinschaft sie zu Heiligen erklärte, die über das Menschliche erhaben seien (9 / 31). Man darf nicht übersehen, dass sich die Kritik des Korans auf die spätantike Vorstellung des Christentums vom Mönchtum und auf einige christliche Geistliche bezog, sie darf daher nicht verallgemeinert werden.

Selbst der Koran zielt mit seiner Kritik nicht allgemein auf alle Christen. Er spricht u. a. von christlichen Priestern und Mönchen, die nicht hochmütig waren und mit Muslimen Freundschaft pflegten (5 / 82). Den Christen insgesamt begegnet der Koran positiv und merkt an, dass unter den Schriftbesitzern die Christen hinsichtlich der Liebe den Muslimen am nächsten stehen. Deshalb besteht kein Hindernis, unter Berufung auf den Koran die positive Annäherung zwischen Christen und Muslimen in der heutigen Zeit fortzuführen.

Mehmet Katar

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