Ehe (isl.)

 
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(arab. Zawadsch, Nikah, türk. Evlilik)

Im allgemeinen muslimischen Verständnis ist die Ehe als eine soziale, moralische und rechtliche Institution Fundament sowohl des Familienbundes als auch der sozialen Struktur. Nach Auffassung islamischer Rechtswissenschaftler ist Ehe ein zivilrechtlicher Vertrag zwischen einem Mann und einer Frau, gegen deren Heirat keine Hindernisse vorliegen dürfen. Gemäß dem Koran ließ Gott Adam als den ersten Menschen auf Erden nicht allein, sondern schuf ihm eine Partnerin (4 / 1). Der Vers, in dem Gott gebietet: »Adam, wohne du mit deiner Ehefrau im Paradiesesgarten« (7 / 19), impliziert, dass Adam mit seiner Frau im Paradies eine Familie gebildet hat.

Die wechselseitige Anziehung beider Geschlechter liegt in der Natur des Menschen und bildet die Voraussetzung für den Fortbestand des Menschengeschlechts. Die große Mehrheit der Muslime legt großen Wert auf die Institution der Ehe, weil dadurch die emotionalen und physischen Bedürfnisse des Menschen (Liebe, Sexualität, Vertrauen, Geborgenheit) auf rechtem Wege erfüllt werden und Kinder in einem sicheren familiären Umfeld aufwachsen können. Außerdem kann durch die Ehe Nachkommenschaft gewährleistet und die in einem jeden Menschen verankerte Liebe zum Kind erfahren werden.

Der Koran ermutigt ledige Menschen zu heiraten und empfiehlt jenen, die noch unverheiratet sind, bis zur Heirat auf Geschlechtsverkehr zu verzichten (24 / 32  33). Der Ehebruch (zina) ist hingegen verboten, weil dieser nicht nur den Ehepartner verletzt, sondern auch die soziale, moralische und rechtliche Struktur von Familie und Gesellschaft beeinträchtigt. Nach vielen Hadithen hat auch Muhammad die Menschen dahingehend unterwiesen, dass die Ehe der übliche und auch von ihm selbst beschrittene Weg sei und dass jeder, der sich davon abwende, zugleich vom Weg des Propheten abweiche (s. Ibn Madscha). Muhammad empfahl jungen Erwachsenen zu heiraten (s. Bukhari).

Die Ehe (nikah) wird nach islamischem Recht im Beisein von zwei Zeugen durch einen von beiden Partnern freiwillig unterzeichneten Vertrag besiegelt. Die Mehrheit der Muslime misst der beiderseitigen freien Willensentscheidung in der Partnerwahl große Bedeutung bei und lehnt diesbezüglich die Ausübung von Druck seitens der Familien ab. Nach islamischer Vorstellung ist jeder geistig gesunde Mensch, der die Pubertät erreicht hat, für seine eigenen Handlungen verantwortlich. Aus diesem Grund hat Muhammad bestimmt, dass in Bezug auf die Eheschließung die Zustimmung der Frau notwendig ist (s. Bukhari). Die Tatsache, dass es dennoch bis heute Zwangsverheiratungen gibt, findet keinerlei Stütze im Koran.

Für die biologische und geistige Entwicklung des Menschen ist die Familie das beste Umfeld. Im Koran werden Liebe und Barmherzigkeit unter den Eheleuten sogar zu den Zeichen der Existenz Gottes gerechnet (30 / 21). Was religionsverschiedene Ehen betrifft, so ist es traditionell möglich, dass ein muslimischer Mann eine nichtmuslimische Frau heiratet; jedoch nicht, dass eine muslimische Frau einen nichtmuslimischen Mann heiratet. Ehen, die gegenwärtig in manchen Ländern zwischen muslimischen Frauen und nichtmuslimischen Männern geschlossen werden, machen es erforderlich, dass das Thema erneut diskutiert wird.

İsmail Hakkı Ünal

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