Friede (politisch, isl.)

 
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(arab. Sulh, türk. Barış)

Friede ist der Ausdruck von Harmonie, Kooperation, Zusammenhalt und Ordnung. Friede bedeutet zugleich, dass der Mensch als soziales Wesen in seinem Verhalten sich selbst und seinem Umfeld gegenüber Gerechtigkeit walten lässt und sich von Gewalt fernhält. Nur Friede garantiert den Schutz der Menschheit und das Überdauern der Zivilisation.

Im Koran wird Friede durch Begriffe wie »Heil« (silm; vgl. 2 / 208) und »Friedfertigkeit« (sulh; vgl. 4 / 128) beschrieben. Muslimische Exegeten definieren Frieden in Anlehnung an die koranische Verwendung als Übereinkunft bzw. einen Vertragsschluss, der nach einem Konflikt zustande kommt.

Zugleich ist Friede einer der Schönen Namen Gottes (59 / 24). Der Koran gebietet Frieden und verbietet jede Form von Zwietracht (7 / 56; 8 / 61). Durch Anarchie und Krieg entstehen Zustände, die der Würde des Menschen zuwiderlaufen. Nach dem Koran ist Friede der beste und sicherste Zustand (4 / 128, 2 / 208), und das ewige Paradies wird »Haus des Friedens« genannt (6 / 127; 10 / 25). Die Nacht, in der der Koran herabgesandt wurde, wird als Nacht des Friedens und des Wohlergehens bezeichnet (97 / 5).

Die Gläubigen werden Muslime genannt, d. h., sie sind diejenigen, die durch die Hingabe an Gott Frieden und Ruhe erlangen. Es gehört zu den wichtigsten Pflichten des Gläubigen, sich um Frieden zu bemühen, weshalb Friedfertigkeit in der islamischen Ethik als eine hohe Tugend bezeichnet wird. Das Individuum, das in sich selbst Frieden und Harmonie gefunden hat, trägt dadurch auch zum gesellschaftlichen Frieden bei.

Muhammad bezeichnete den Gläubigen als jemanden, der mit Menschen »freundschaftlich verkehrt, sich mit ihnen gut versteht, mit ihnen harmoniert und sich verträgt« (s. Ibn Hanbal). Daher sollte Religion zur Sicherung des Friedens beitragen. Gesellschaften, in denen Rechtschaffenheit herrscht, leben in Frieden (5 / 2). Der zum Frieden führende Weg steht in engem Zusammenhang mit der Hingabe an die Wahrheit und der Sehnsucht nach Sicherheit. Verzeihen und Toleranz, die sich in der Aufforderung des Korans »Sei nachsichtig« (7 / 199) widerspiegeln, gehören ebenfalls zu den Frieden stiftenden Prinzipien des Islams.

Die wesentliche Voraussetzung für Frieden ist der Respekt vor dem Menschenleben. Die beste Garantie für Frieden ist der Gottesglaube, der sich auf Wissen, Toleranz und Liebe stützt. Die zentrale Verantwortung des Menschen Gott gegenüber besteht darin, eine friedliche Gesellschaft zu schaffen, in der ein jeder sich entfalten kann.

Müfit Selim Saruhan

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