Gewalt (isl.)

 
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(arab. Schidda, türk. Şiddet)

Gewalt ist ein weit gefasster Begriff, der u. a. den Missbrauch von Macht oder Druck, Beleidigung und Terror bedeuten kann. Menschen greifen unter gegebenen Umständen zur Gewaltanwendung. Der Islam strebt jedoch nach einem Gleichgewicht der Kräfte und der Kontrolle der Machtausübung. So gesehen befürwortet der Islam eher eine Einschränkung der Anwendung von Macht als den gänzlichen Verzicht auf sie. Das Ergebnis dieser Suche nach einem Gleichgewicht sollte Gerechtigkeit sein.

Im Zusammenhang mit dem Thema Gewaltanwendung im Islam ist einer der am häufigsten verwendeten und umstrittensten Begriffe Dschihad. Der Gebrauch des Wortes Dschihad im Sinne von Krieg erfolgte anfangs vorübergehend als Reaktion auf die Bedrängnis und Feindseligkeit, mit der die Muslime konfrontiert waren, und auch auf den Zwang, dem sie sich ausgesetzt sahen. Heutzutage wird zwar Dschihad mit Krieg gleichgesetzt, doch zeigt ein Blick in den Koran, dass dies nicht korrekt ist. Zum Beispiel durften die Muslime nur Krieg führen, wenn die anderen sie mit dem Tode bedrohten, sie grausam unterdrückten (22 / 39). Krieg ist nur als letzter Ausweg denkbar, um Ungerechtigkeiten und Schlimmeres abzuwehren. Doch auch diese Erlaubnis gilt nicht uneingeschränkt: »Kämpft auf dem Wege Gottes gegen die, die euch bekämpfen! Doch begeht dabei keine Übertretungen! Siehe, Gott liebt die nicht, die Übertretungen begehen!« (2 / 190). Gibt die gegnerische Seite auf, so dürfen die Kämpfe nicht fortgesetzt werden (2 / 193).

Der Islam setzt nicht nur in der Kriegsführung Grenzen, sondern verbietet auch gewalttätige Handlungen, die eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen, wie etwa Mord oder Vergewaltigung, und hat diesbezüglich gesetzliche Sanktionen entwickelt. In muslimischen Gesellschaften kommt immer noch zeitweise Gewalt gegen Frauen vor, vor allem innerhalb der Familie. Diese Übergriffe haben mit den durch Kultur und Tradition geprägten männlichen und weiblichen Rollenbildern zu tun. Man kann sie nicht der Religion und der islamischen Ethik anlasten. Muhammad hat sich in seinen innerfamiliären Beziehungen stets liebevoll und fürsorglich gezeigt und nie Gewalt angewandt.

İhsan Toker

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