Gott (isl.)

 
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(arab. Allah, Ilah, türk. Tanrı)

Der Allgemeinbegriff Gott findet im Islam seine Konkretion und Entsprechung in Allah. Während die türkischen oder arabischen Wörter für Gott (türk. tanrı bzw. arab. ilah) im Plural verwendet werden können, besteht diese Möglichkeit für Allah als Gottesbezeichnung und zugleich Name nicht. Im Koran sagt Gott viele Male über sich selbst aus, dass Er der Eine Gott ist: »Es gibt keine Gottheit außer Gott« (37 / 35; 47 / 19).

Im Koran bezeichnet Gott sich mit Namen wie »der Erbarmer, der Barmherzige, der Gnadenvolle, der Allwissende, der Allmächtige, der Liebevolle, der Geber des Lebensunterhaltes, der Verzeihende«, die Er »Die Schönen Namen« nennt. Diese Namen bestimmen gleichzeitig den Bedeutungsgehalt des Wortes Gott. Ausgehend von den Gemeinsamkeiten der »Schönen Namen« haben islamische Theologen bestimmte Attribute daraus hergeleitet. Diese sind Leben, Allwissenheit, Wille, Allmacht, Hörfähigkeit, Sehfähigkeit, Redefähigkeit und Schöpferkraft. Darüber hinaus hat sich auch eine negative Theologie entwickelt, die darüber Aussagen macht, was Gott nicht ist bzw. worüber Er erhaben ist. Was die Zuschreibung von Eigenschaften an Gott betrifft, so weist der Islam bedeutende Ähnlichkeiten zu anderen theistischen Religionen auf.

Der Koran ruft die Menschen dazu auf, über Gottes Wesen und Eigenschaften nachzudenken. Die vom Koran für das Wesen und die Eigenschaften Gottes angeführten Beweise beziehen sich überwiegend auf Ordnung und Ziel der Schöpfung und werden aus der Erfahrung evident. Obwohl der Koran sagt, dass Gott in dieser Welt nicht unmittelbar mit den Sinnen erfahrbar sei, lässt diese Aussage keine Deutung in Richtung Agnostizismus zu. Diese aus dem Koran gewonnene Ansicht hat das theologische Denken des Islams tief beeinflusst und führte zu einem Ansatz der Gotteserkenntnis, der sich auf Beweise stützt. Muslimische Gelehrte haben solche Beweise entwickelt.

Das Prinzip der göttlichen Einsheit, Transzendenz und Absolutheit verlangt nach einer unaufhebbaren ontologischen Trennung zwischen dem Schöpfer und der Schöpfung. Diese Trennung bedeutet allerdings nicht, dass Gott dem Menschen fern ist. Verse wie »Wenn dich Meine Diener nach Mir fragen, so bin Ich nahe« (2 / 186) oder »Wir sind dem Menschen viel näher noch als seine Halsschlagader« (50 / 16) bezeugen die Nähe Gottes.

Mehmet Sait Reçber

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