Jesus (isl.)

 
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(arab. Isa, al-Masih, türk. İsa)

Jesus ist neben Noah, Abraham, Mose und Muhammad einer der fünf erhabenen Propheten (ulu l-azm), die im Koran namentlich erwähnt werden. Er wurde zu den Söhnen Israels gesandt, und ihm wurde das Evangelium offenbart, das neben Tora, dem Psalter und dem Koran zu den vier heiligen Schriften zählt.

Im Koran trägt Jesus mehrere Bezeichnungen, darunter auch Messias, Sohn Marias, Wort Gottes oder Geist Gottes. Die Aussagen über Jesus im Koran gehen überwiegend auf die Meinungsverschiedenheiten zwischen Muslimen und Christen sowie auf innerchristliche Diskussionen zurück. In diesem Sinne wird darüber berichtet, dass Jesus aus der Jungfrau Maria ohne leibliche Mitwirkung eines Vaters auf die Welt gekommen sei. Damit wird jenen geantwortet, die die Sittlichkeit von Maria infrage stellten (3 / 45  46; 19 / 16  22). An anderer Stelle wird gesagt, dass Jesus bereits in der Wiege durch ein Wunder jenen, die Maria verunglimpften, erwidert habe, er sei ein Prophet Gottes, eine Offenbarungsschrift sei ihm gegeben und die Gottesdienerschaft ihm auferlegt worden (19 / 27  33).

Außerdem wurden die Menschen durch die außergewöhnliche Geburt Jesu daran erinnert, dass Gott auf übernatürlichem Weg ein Wesen erschaffen kann. Die Geburt Jesu wird im Koran mit der Erschaffung Adams verglichen: »Siehe, vor Gott gleicht Jesus Adam« (3 / 59). Über seine Kindheit wird nur gesagt, dass er mit Maria auf einer sicher gelegenen Anhöhe Unterkunft fand (23 / 50).

Über die Phase seiner Verkündigung wird hingegen ausführlicher berichtet: Jesus ist gesandt, um die früheren heiligen Schriften zu bestätigen und zugleich einige Verbote aufzuheben (3 / 49; 4 / 171). Er sollte den Söhnen Israels die frohe Botschaft kundtun, dass nach ihm noch ein Prophet kommen werde (61 / 6). Die muslimischen Gelehrten gehen davon aus, dass es sich bei diesem angekündigten Propheten um Muhammad handelte.

Während seiner Verkündigung hat Jesus mit der Erlaubnis Gottes viele Wunder gewirkt: Er hauchte der Figur eines Vogels Leben ein, heilte Blinde und Kranke, erweckte Tote zum Leben und konnte berichten, welche Speisen unbekannte Leute aufbewahrten und zu sich nahmen (3 / 49). Er ließ einen gedeckten Tisch vom Himmel herabkommen (5 / 112  115). Dennoch glaubten nur wenige unter den Söhnen Israels an ihn. Andere schmiedeten Pläne, ihn zu beseitigen. Der Koran berichtet, dass die Juden Jesus nicht gekreuzigt und somit nicht getötet haben. Es schien den Menschen nur so, und Jesus wurde in Wirklichkeit zu Gott erhoben (4 / 157  158). Wie das geschehen ist, wird im Koran jedoch nicht berichtet. Weiterhin wird gesagt, dass Jesus kein Gott und kein Sohn Gottes, sondern nur ein Diener und Prophet Gottes sei (4 / 172; 5 / 17, 72  73).

Mehmet Katar

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