Konversion (isl.)

 
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(arab. Irtidad an al-Islam, türk. Din Değiştirme)

Hinsichtlich Konversion wird in der muslimischen Tradition zwischen dem Eintritt in den Islam (ihtida) und dem Austritt aus diesem (irtidad) unterschieden: Annahme des Islams bedeutet, dass jemand zum Islam konvertiert, indem er freiwillig das Glaubenszeugnis ausspricht. Konversion steht grundsätzlich mit der Glaubensfreiheit in Zusammenhang: Wenn es jemandem freisteht, sich zu einer Religion zu bekennen, so muss ihm auch die Freiheit zugestanden werden, sich von dieser Religion abzuwenden. Doch aus geschichtlicher Erfahrung betrachtet hat keine Religion jemals den Wechsel zu einer anderen positiv bewertet. In der muslimischen Tradition reichen die im Falle einer Konversion anzuwendenden Strafbestimmungen sogar bis zur Todesstrafe, wobei die Gründe weniger in der Religion als vielmehr in der Politik zu suchen sind. Denn der Koran sieht für denjenigen, der vom Islam abfällt, keine weltliche Strafe vor; hingegen wird eine Bestrafung im Jenseits erwähnt (2 / 217; 3 / 86  90; 4 / 137).

In Glaubensfragen misst der Islam dem Willen des Menschen Gewicht bei und belässt ihm – auf Folgen im Jenseits verweisend – Freiheit. Beleg dafür ist folgender Vers: »Sprich: ›Die Wahrheit kommt von eurem Herrn. Wer will, der glaube, und wer da will, der bleibe ohne Glauben!‹« (18 / 29). Zur Zeit des Propheten in Medina kam es vor, dass Kinder muslimischer Familien, die vorher jüdisch oder christlich waren, von ihren Eltern zur Konversion gezwungen wurden. Daraufhin wurde der Vers »Kein Zwang ist in der Religion« (2 / 256) geoffenbart (s. Abu Dawud; Tabari).

Im Koran kommt deutlich der Auftrag Muhammads zum Ausdruck, die Menschen ohne Ausübung von Druck und Zwang zur Religion einzuladen (50 / 45; 88 / 22). Dem Propheten wurde aufgetragen: »Rufe auf zum Wege deines Herrn mit Weisheit und mit schöner Predigt« (16 / 125) und das gleiche Verhalten wurde auch von den Gläubigen erwartet (29 / 46). Der Prophet hat aus diesem Grunde vom Islam abgefallene Personen nicht bestraft (s. Ibn Hanbal). Nach Auffassung der Mehrheit der Muslime liegt die Beurteilung und Bestrafung allein bei Gott; Menschen sind nicht befugt, diesbezüglich zu strafen (s. Abu Dawud).

Daher können Menschen im Laufe ihres Lebens nicht nur unterschiedliche Religionen annehmen, sondern sich auch gegen den Glauben an eine Religion entscheiden. Eine solche Wahl hängt ausschließlich von den eigenen Überzeugungen ab. Obwohl islamische Theologen im Allgemeinen die Position vertreten, dass jene, die sich gegen den Islam entscheiden, eine falsche Wahl treffen, so wird doch grundsätzlich akzeptiert, dass man sich in solche Entscheidungen nicht einmischt und sie in die Verantwortung des Einzelnen stellt. Allerdings wird dies auch heute noch in einigen islamischen Staaten nicht anerkannt.

İsmail Hakkı Ünal

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