Koran (isl.)

 
 Zitierfähiger Link: Koran (isl.)  

(arab. Quran, türk. Kurʾan)

Die Grundbedeutung des arabischen Wortes Koran ist lesen, rezitieren. Der Koran ist das Buch, das Gott dem Propheten Muhammad durch den Erzengel Gabriel zwischen den Jahren 610 und 632 abschnittweise offenbart hat. Suren und Verse aus der Zeit, als der Prophet noch in Mekka lebte, handeln zumeist vom Glauben, von ethischen Fragen und gottesdienstlichen Handlungen sowie von den Propheten vor Muhammad und deren Erfahrungen mit ihren Völkern. Die Suren und Verspassagen aus der medinensischen Zeit befassen sich mehr mit sozialen, ökonomischen, juristischen und politischen Themen.

Der Koran besteht aus 6236 Versen und ist unterteilt in 114 Suren, die zu zwei Dritteln in Mekka und zu einem Drittel in Medina offenbart wurden. Immer wenn Verse offenbart wurden, trug sie der Prophet seinen Freunden vor, die sie auswendig lernten. Bereits in den ersten Jahren der Offenbarung wurde damit begonnen, Verse schriftlich festzuhalten. Der Prophet Muhammad hatte verschiedene Schreiber, u. a. Zaid Ibn Thabit (gest. 665), Uthman Ibn Affan (gest. 656) und Ubaiy Ibn Kab (gest. 656). Nach der Überlieferung überprüfte der Prophet Muhammad jedes Jahr im Monat Ramadan zusammen mit dem Engel Gabriel alle bis dahin offenbarten Verse (s. Bukhari). Es heißt, dass diese Überprüfung im letzten Ramadan vor dem Tod des Propheten zweimal stattfand (s. Ibn Madscha).

Nach dem Tod des Propheten (632) wurde der Koran in Buchform gebracht und mushaf (Bezeichnung für ein Koranexemplar) genannt. Die Verse, die die Gefährten des Propheten auswendig gelernt oder auf verschiedene Materialien geschrieben hatten, wurden von Zaid Ibn Thabit gesammelt, sorgfältig untersucht und auf Papierblätter (suhuf) übertragen. Dieser Band wurde nach dem Tod Abu Bakrs (gest. 634) dessen Nachfolger Umar (gest. 644) übergeben, und der wiederum vererbte ihn an seine Tochter Hafsa (gest. ca. 665). Während der Kalifatszeit von Uthman (644  656) diente dieser Band als Grundlage für die Vervielfältigung von Koranexemplaren mit einem standardisierten Schriftbild. In den Koranexemplaren der Anfangszeit gab es aber noch keine diakritischen Punkte und Vokalzeichen. Diese wurden erst später in den standardisierten Text eingefügt.

Die Suren im Koran sind nicht chronologisch in der Reihenfolge ihrer Offenbarung angeordnet, sondern die langen Suren kommen im Koran in der Regel zuerst, gefolgt von immer kürzer werdenden Suren. Jede Sure trägt einen Namen, der sich meistens aus den in den Texten angesprochenen Themen oder Personen ableitet. So wird z. B. die Sure 12, in der die Geschichte Josefs behandelt wird, mit Josef betitelt. Alle Suren außer der Neunten beginnen mit der Bismillah-Formel »Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen«. Neben Suren, die auf ein einziges Thema begrenzt sind, gibt es auch Suren, die ganz unterschiedliche Themen behandeln. Das ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Koranverse entsprechend aktuellen Bedürfnissen der Adressaten offenbart wurden.

Das Hauptthema des Korans ist der Mensch in seinen Beziehungen zu anderen Lebewesen, Ereignissen und Tatsachen. Der Koran hat das Ziel, dem Menschen seine Stellung innerhalb der Schöpfung aufzuzeigen. Deswegen enthält er Prinzipien, Gebote und Ermahnungen, die dem Menschen Wohlbefinden, Zufriedenheit und Glück bereiten sollen. Der Koran behandelt Themen wie Gott, das Jenseits, Erfahrungen vergangener Völker, gottesdienstliche Handlungen, Recht, Ethik und die Schöpfung immer in Bezug auf den Menschen, der Adressat der Offenbarung ist. Der Koran bezweckt – so wie jede heilige Botschaft –, dass der Mensch mithilfe der Offenbarung eine gefestigte Lebenseinstellung entwickelt. Der Koran spricht zudem ausführlich über die Existenz Gottes, die Einsheit Gottes und die göttlichen Attribute. Doch das zentrale Thema des Korans ist der Mensch. In diesem Rahmen kann man von vier Hauptdimensionen sprechen: 1. die Beziehung zwischen Gott und der Welt (die anfängliche und fortwährende Schöpfung); 2. die Beziehung zwischen Gott und Mensch (ontologisch, erkenntnistheoretisch und existenziell); 3. die Beziehung zwischen Mensch und Mensch (Ethik und Recht); 4. die Beziehung zwischen Mensch und Universum. In dieser Grundstruktur finden alle Themen Platz. Der Koran sieht den Menschen stets in seiner Beziehung zum Universum, zur Gesellschaft und zur Geschichte, also im Zusammenhang mit der gesamten Wirklichkeit.

Halis Albayrak

Ähnliche Einträge

Der Artikel ist auch in English und Turkish verfügbar.