Menschenrechte (isl.)

 
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(arab. Huquq al-Insan, türk. İnsan Hakları)

Menschenrechte bezeichnen jene schützenswerten universalen Rechte und Ansprüche des Menschen, die ihm von Natur aus zukommen. Die Begriffe Recht und Pflicht werden im Islam aufgrund ihrer engen Beziehung oft zusammen gebraucht. So ist jeder Mensch mitverantwortlich für den Schutz der Rechte des Mitmenschen. Auf ihre entsprechenden Pflichten hingewiesen, wird eine Person sich sowohl ihrer eigenen Rechte als auch jener der anderen bewusst bleiben.

Der moderne Begriff Menschenrechte entspricht in der islamischen Kultur den im Koran angesprochenen fünf fundamentalen Werten (al-darurat al-khamsa). Diese sind Leben, Eigentum, Würde, Verstand und Religion; sie zu schützen wird im Islam als eine Notwendigkeit angesehen. Diese Werte sind in verschiedenen Erklärungen zu Menschenrechten im Islam erwähnt worden.

Der Koran hebt die Unantastbarkeit des Lebens hervor und verbietet die unrechtmäßige Tötung eines Menschen (2 / 178; 4 / 29; 5 / 33; 6 / 151; 17 / 33). Darüber hinaus hat Muhammad jede Form von Blutrache und Folter verboten (s. Muslim). Das Recht auf Eigentum wurde ebenfalls als unantastbar erachtet, Diebstahl schwer bestraft (5 / 38). Die unrechtmäßige Aneignung von fremdem Besitz ist eine schwere Sünde (2 / 188). Das Personsein des Menschen, seine Ehre und seine Achtbarkeit werden im Islam mit dem Begriff Würde ausgedrückt. Damit diese geschützt wird, hat der Koran außerehelichen Geschlechtsverkehr und Verleumdung verboten und diesbezüglich Strafen angeordnet (17 / 32; 24 / 4). Verboten sind auch alkoholische Getränke und Drogen, da sie der Gesundheit und dem Verstand schaden; die Menschen sollen ihr Denkvermögen und ihren Willen ohne Beeinträchtigung gebrauchen können.

Die im Koran angeordneten schweren Körperstrafen werden heute im Rahmen der Menschenrechte neu interpretiert. Um Gerechtigkeit durchzusetzen, sind Gesetzesverletzungen zu bestrafen. Dahinter steht der Gedanke, dass die Art und Weise der Strafen sich an der Entwicklung der Vorstellungen über die Gerechtigkeit orientiert.

Der Vers »Kein Zwang ist in der Religion« (2 / 256) macht klar, dass bei Gewissensentscheidungen kein Druck ausgeübt werden soll und dass jeder Mensch seinen Glauben eigenverantwortlich wählen darf. Zusätzlich zu den genannten fünf fundamentalen Werten wird auch der Schutz der Privatsphäre im Koran hervorgehoben (24 / 27, 58). Es ist nicht erlaubt, private Gespräche zu belauschen, damit eine freie Kommunikation gewährleistet bleibt. Um die Persönlichkeitsrechte des Individuums zu schützen, sind Nachspionieren, Lästern und das Weitergeben von vertraulichen Informationen ebenfalls verboten (49 / 12). Auch Muhammad hat noch in seiner Abschiedspredigt erklärt, dass Leben, Besitz und Würde des Menschen unantastbar sind.

Trotzdem gibt es auch heute noch in der ganzen Welt islamische und nichtislamische Staaten und Gruppen, die die Menschenrechte nicht achten.

İsmail Hakkı Ünal

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