Menschenrechte (chr.)

 
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(türk. İnsan Hakları)

Unter Menschenrechten versteht man fundamentale Rechte, die dem Menschen als solchem allein kraft seines Menschseins zukommen. Sie sind unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Volksgruppe, Gesellschaftsschicht, Religion, Weltanschauung, politischen Gruppierung, unabhängig auch von der Geschlechtszugehörigkeit oder der sexuellen Orientierung. Die Menschenrechte beanspruchen universale Gültigkeit, denn sie wollen auch dort gelten, wo sie in den Rechtsordnungen theoretisch nicht anerkannt sind oder wo sie in der Realität praktisch missachtet werden. Von ihren Inhalten her kann man die Menschenrechte in drei Gruppen einteilen: liberale Freiheits- und Abwehrrechte (Verhältnis des Individuums zum Staat, Schutz von Leib und Leben, Privatsphäre, Eigentum, Religionsfreiheit und freie Meinungsäußerung), politische Teilnahmerechte (Demokratie) und soziale Teilhaberechte (humane Arbeitsbedingungen, soziale Sicherheit, gleiche Bildungschancen, kulturelle und sprachliche Eigenständigkeit, saubere Umwelt). Was wir heute im ethisch-politischen Diskurs ausdrücklich als Menschenrechte bezeichnen, ist nicht der Inhalt einer bestimmten Religion, sondern eine Errungenschaft der neuzeitlich-säkularen Vernunft (1776: Virginia Bill of Rights; 1789: Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen). Seine globale Bedeutung erlangte der Menschenrechtsgedanke erst 1948 mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen. Zur Begründung des universalen Anspruches der Menschenrechte beruft sich diese Erklärung auf die allen Menschen gleichermaßen innewohnende Würde. Gemäß der Philosophie der deutschen Aufklärung (Immanuel Kant, 1724  1804) besteht diese Würde in der Tatsache, dass jeder Mensch aufgrund seiner Vernunftbegabung zu freier Selbstbestimmung befähigt ist. Um die Unbedingtheit der Menschenrechte zu wahren, müssen diese jedoch letztlich in der Dimension des Absoluten und damit Transzendenten verankert werden. Eine solche Letztbegründung der Menschenrechte können die Religionen geben. Die christliche Theologie entdeckte erst nach einer langen Zeit der Ablehnung und Bekämpfung, dass die Menschenrechte nicht nur mit vielen einzelnen Grundforderungen der christlichen Ethik übereinstimmen, sondern darüber hinaus auch als unverzichtbare Folgerungen des christlichen Menschenbildes gelten können. Aus der Sicht des Christentums ergeben sich die Menschenrechte aus der Auffassung, dass jeder einzelne Mensch schon von seiner Erschaffung her ein Bild des lebendigen Gottes ist (vgl. Gen 1,26) und durch die absolute Liebe Gottes in seiner Würde erst unantastbar gemacht wird. Da die transzendente Begründung der Menschenwürde prinzipiell von jeder Religion auf ihre je eigene Weise geleistet zu werden vermag, können die Menschenrechte auch im Kulturkreis nichtchristlicher Religionen positiv aufgenommen und weiterentwickelt werden.

Martin Thurner

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