Muhammad (isl.)

 
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(arab. Muhammad, türk. Hz. Muhammed)

Nach islamischem Glauben ist Muhammad der letzte Prophet Gottes. Er wurde auserwählt, um den Menschen die frohe Botschaft zu verkünden und sie zu ermahnen. Muhammad wurde am 20. April 571 in Mekka geboren. Er stammte aus einer angesehenen mekkanischen Familie. Den Vater hatte er noch vor seiner Geburt verloren; die Mutter starb, als er sechs Jahre alt war. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in der Obhut seines Großvaters und später seines Onkels. Muhammad, der sich seinen Lebensunterhalt durch Handel verdiente, genoss in der Gesellschaft Respekt. Deshalb wurde er der Vertrauenswürdige (al-Amin) genannt.

Den auf der Arabischen Halbinsel verbreiteten Religionen des Judentums, Christentums und Zoroastrismus fühlte Muhammad sich nicht zugehörig. Es gibt einzelne Überlieferungen, wonach er sich als Gottsucher (hanif) verstanden habe (s. Ibn Hanbal). Obwohl er unter mekkanischen Bekennern des Polytheismus (schirk) aufwuchs, fühlte er sich diesen nicht zugehörig und beteiligte sich nicht an ihren Riten. Nach koranischer Aussage befand er sich auf der Suche (93 / 7). Während dieser Zeit erhielt er die erste Offenbarung im Jahr 610 nC. auf dem in der Nähe von Mekka liegenden Berg Nur, auf den er sich sehr oft zurückzog. Durch die Offenbarungen, die er den Menschen vortrug, rief er sie zum Glauben an den einen Gott sowie an das Jenseits auf und trat für das Einhalten ethischer Werte ein.

Als Muhammad den Menschen die göttlichen Offenbarungen verkündete, stieß er zunächst auf große Ablehnung und nur wenige glaubten ihm. Nachdem die Ablehnung in Mekka zu stark geworden war, wanderte Muhammad gemeinsam mit seinem engen Gefährten Abu Bakr im Jahre 622 nC. nach Medina aus. Danach wurde es für ihn einfacher, den Menschen seine Botschaft zu vermitteln und für deren Verbreitung zu sorgen. In Medina arrangierte er sich mit den beiden großen, bis dahin polytheistischen Stämmen namens Aus und Khazradsch sowie mit den drei jüdischen Stämmen Quraiza, Qainuqa und Nadir und schuf ein mit einem kleinen Staat vergleichbares Herrschaftsgebiet. Währenddessen wuchs die Anzahl der an die Offenbarung Glaubenden stetig, was zur Stärkung von Muhammads sozialer und politischer Stellung führte. Andererseits hielt aber die Feindschaft der mekkanischen Polytheisten gegenüber Muhammad und seinen Anhängern an, weshalb er in der medinensischen Periode einige Male Krieg gegen sie führte. Die Kriege, an denen er beteiligt war, wurden überwiegend aus Verteidigungsgründen geführt. Ohne ernsthafte Bedrohung konnte Muhammad Mekka erobern; dies war sein wichtigster Feldzug. Durch die Maßnahmen, die Muhammad dabei getroffen hatte, verloren nur einige wenige Personen ihr Leben. Während der Pilgerfahrt im Jahre 632 nC. hielt er eine Abschiedspredigt, in der er letzte Mahnungen und Empfehlungen aussprach. Kurze Zeit später erkrankte er und starb am 8. Juni 632 in Medina.

Nach dem Koran ist der Prophet Muhammad der Nachfolger der zuvor gesandten Propheten (3 / 144; 4 / 164) und zugleich der letzte Gesandte (33 / 40). Von Gott erhielt er, wie die Propheten Mose und Jesus, Offenbarungen (42 / 13; 3 / 84), die er den Menschen wortgetreu verkündete (69 / 44  47). Genauso wie die übrigen Menschen war auch er verpflichtet, Gott gegenüber Rechenschaft abzulegen (7 / 6), und musste sich an die ihm offenbarten Gebote halten (6 / 106; 10 / 109). Im Koran wird betont, dass der Prophet Muhammad nur ein Mensch war und keine übermenschlichen Eigenschaften besaß. Sein einziges Privileg bestand darin, dass er Offenbarungen erhielt (17 / 93; 18 / 110; 41 / 6). Er verkündete diese nicht nur, sondern legte sie auch bei Bedarf aus (14 / 4; 16 / 44). Er unterwies die Gläubigen durch sein eigenes Tun in religiösen Riten und lebte beispielhaft die vom Koran geforderten ethischen Prinzipien. Deshalb bezeichnet ihn der Koran als schönstes Vorbild (33 / 21).

Die islamische Überlieferung zeugt von Muhammad als einem guten Ehemann, einem liebevollen Vater und Großvater, einem verlässlichen Freund sowie von Muhammads freundlichem Wesen. Im Alter von 25 Jahren heiratete er die viel ältere Witwe Khadidscha. Bis zu deren Tod führte er mit ihr durch 25 Jahre eine monogame Ehe. Aus ihr gingen zwei Söhne und vier Töchter hervor. Nach dem Tod von Khadidscha bekam er noch einen Sohn namens Ibrahim von einer Ägypterin namens Mariya. Sein erster Sohn Qasim und die beiden anderen, Abdullah und Ibrahim, starben im Kindesalter. Seine Töchter Zainab, Ruqaiya, Umm Kulthum und Fatima starben in jugendlichem Alter, nachdem sie bereits geheiratet hatten. Die jüngste Tochter, Fatima, heiratete den späteren vierten Kalifen Ali (656  661). Aus dieser Ehe gingen Hassan und Hussain hervor, die aufgrund der politischen Ereignisse und Intrigen, in die sie verwickelt wurden, bis heute die bekanntesten Enkelkinder des Propheten geblieben sind.

Muhammad hatte nach dem Tod von Khadidscha im Gedenken an sie zweieinhalb Jahre allein gelebt, bevor er Sauda Bint Zama heiratete. Das bedeutet, dass er bis zu seinem dreiundfünfzigsten Lebensjahr monogam lebte. Danach heiratete er aus unterschiedlichen Gründen noch mehrmals. Nach der Abfolge der Heiraten hießen seine Frauen: Khadidscha Bint Khuwailid, Sauda Bint Zama, Aischa Bint Abi Bakr, Hafsa Bint Umar Ibn al-Khattab, Zainab Bint al-Khuzaima, Umm Salama, Zainab Bint Dschahsch, Dschuwairiyya, Raihana Bint Zaid, Safiyya Bint Huyai, Umm Habiba Bint Abi Sufyan, Mariya und Maimuna Bint al-Harith. In einer Zeit, in der die Polygamie zur Normalität gehörte, waren die Ehen Muhammads durch religiöse, soziale, politische, wirtschaftliche und ethische Faktoren motiviert, etwa die Absicherung alleinstehender Frauen. Alle seine Ehefrauen – mit Ausnahme von Aischa – waren entweder Witwen oder geschiedene Frauen. Deshalb müssen bei der Beurteilung dieser Ehen die historischen Umstände berücksichtigt werden. Schließlich wurde Muhammad nicht einmal von Gegnern hinsichtlich seiner vielen Ehen kritisiert.

Als letzter Gesandter Gottes strebte Muhammad an, eine Gemeinschaft aus gläubigen und ethisch gefestigten Personen zu schaffen, und erstrebte, dass dieses Ideal von der gesamten Menschheit geteilt werde. Muhammad ist, wie es im Koran heißt, der Prophet der Liebe und Barmherzigkeit, der für die ganze Menschheit gesandt worden ist (34 / 22; 21 / 107).

İsmail Hakkı Ünal

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