Religionsfreiheit (isl.)

 
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(türk. Din Özgürlüğü)

Religionsfreiheit bedeutet, dass der Mensch in freier Wahl eine bestimmte Religion oder eine Weltanschauung annehmen und die damit verbundenen Rechte und Pflichten wahrnehmen kann. Der Koran betont die freie Willensentscheidung des Menschen bei der Wahl einer Religion. Entscheidend ist nicht, welcher Religion ein Mensch angehört, sondern dass er mit den Anhängern anderer Religionen darum wetteifert, Werte zu setzen und Gutes zu tun (5 / 48). Nach dem Koran hat Gott Leben und Tod, auf den das Jüngste Gericht folgt, geschaffen, um den Menschen zu prüfen (67 / 2).

Im Koran steht ausdrücklich, dass es keinen Zwang in der Religion geben darf (2 / 256). Es wird dem Menschen freigestellt, an die von Gott auf den Propheten herabgesandte Offenbarung zu glauben oder nicht (18 / 29). In folgenden Versen wird Muhammad aufgefordert, keinen Zwang auszuüben: »Hätte dein Herr gewollt, so würden alle auf der Erde gläubig werden, insgesamt. Willst du die Menschen etwa zwingen, dass sie gläubig werden?« (10 / 99); »So mahne, denn du bist ein Mahner, bist keiner, der über sie Gewalt hat!« (88 / 21  22). Deswegen hat Muhammad während der dreiundzwanzig Jahre seiner Prophetenschaft niemandem den Glauben aufgezwungen und ein solches Verhalten auch den von ihm entsandten administrativen und militärischen Leitungspersonen aufgetragen. Gott befahl dem Propheten: »Rufe auf zum Weg deines Herrn mit Weisheit und mit schöner Predigt, und streite mit ihnen auf gute Weise« (16 / 125).

Eine repressive Haltung in Fragen der Religion widerspricht den Grundsätzen des Islams. Nur wer frei ist, kann sich für oder gegen eine Religion entscheiden. Bei Zwang und Unterdrückung kann von Religionsfreiheit nicht die Rede sein. Obwohl es in der Praxis Gegenbeispiele gibt, sagen islamische Gelehrte, gestützt auf die Lehren des Korans und das Vorbild des Propheten, dass die Annahme einer Religion unter Zwang ungültig sei.

Zwang verleitet den Menschen dazu, seine wahren Absichten zu verbergen und sich unehrlich zu verhalten. Dies wiederum ebnet den Weg zur Heuchelei, die vom Koran heftig kritisiert wird (2 / 8  10). Allerdings muss festgestellt werden, dass es in manchen Ländern Defizite in der Verwirklichung des Prinzips der Religionsfreiheit gibt. Um dies zu überwinden, muss auch der Staat mit den Religionen, solange sie die öffentliche Ordnung nicht stören und die Rechte anderer nicht verletzen, respektvoll umgehen und sich in religiösen Fragen neutral verhalten.

İsmail Hakkı Ünal

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