Sexualität (isl.)

 
 Zitierfähiger Link: Sexualität (isl.)  

(arab. Dschinsiyya, türk. Cinsellik)

Sexualität bezeichnet das Interesse, Verlangen und die Anziehung, die Mann und Frau füreinander empfinden. Die menschliche Sexualität hat biologische und emotionale Seiten. Eine der Funktionen der Sexualität des Menschen ist, wie bei anderen Lebewesen auch, die Sicherung des Fortbestandes der eigenen Art durch Fortpflanzung. Darüber hinaus hat die Sexualität weitere unterschiedliche Funktionen und Auswirkungen. Für die Paare ist sie eine Quelle der Liebe, Geborgenheit, Ruhe, des Einklangs und des Glücks. So heißt es im Koran: »Und zu Seinen Zeichen gehört, dass Er Gattinnen aus euch selber erschuf, damit ihr bei ihnen Ruhe findet. Und Er stiftete unter euch Liebe und Barmherzigkeit« (30 / 21; 7 / 189). Daher wird allen Männern und Frauen die Ehe nahegelegt; der Koran verpflichtet sogar die Gesellschaft dazu, heiratsfähige Männer und Frauen, die aus finanziellen Gründen keine Ehe eingehen, zu unterstützen, damit sie heiraten können (24 / 32). Auch der Prophet Muhammad bezeichnete mehrfach die Ehe und die innerhalb der Ehe gelebte Sexualität als eine Art religiöse Praxis (ibada) (s. Muslim). Wird die Eheschließung zugunsten sexueller Enthaltsamkeit gemieden, so billigt das der Islam nicht und betrachtet es, anders als manche Religionen und Glaubensrichtungen, auch nicht als Zeichen von Frömmigkeit. Der Koran spricht davon, dass es auch im Paradies Sexualität geben wird (2 / 25; 52 / 20).

Weil Sexualität sowohl zur menschlichen Persönlichkeit gehört als auch die Entwicklung des sozialen Umfelds beeinflusst, war sie bereits von allem Anfang an Gegenstand religiöser, moralischer und philosophischer Betrachtungen sowie politischer und juristischer Regelungen und hat sich zu einem kulturellen Phänomen entwickelt. Der Islam befasst sich in Bezug auf die Sexualität weniger mit dem, was erlaubt, als mit dem, was verboten ist. Genau gesagt bedeutet dies, dass im Islam außereheliche sexuelle Handlungen und Beziehungsformen als verboten betrachtet werden. Im Bereich der Sexualität gilt also die allgemeine ethische Regel nicht, dass etwas grundsätzlich erlaubt ist, wenn es nicht ausdrücklich verboten ist. Sexuelle Handlungen oder Beziehungen werden nur zwischen zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts und im Rahmen der Ehe als erlaubt bzw. rechtmäßig betrachtet. Im Koran werden außerehelicher Geschlechtsverkehr (zina) sowie dazu führende Handlungen als der menschlichen Ehre und Ethik zuwiderlaufend, schändlich und hässlich bezeichnet (6 / 151; 17 / 32). Selbstzucht, d. h. die Unterlassung jeglicher Art von außerehelichen sexuellen Handlungen und Beziehungsformen, gilt als ein grundlegendes Merkmal der muslimischen Ethik. Ein sündloses Sexualleben ist nach Auffassung des Islams einzig im Rahmen der Ehe möglich. Daher ist legitime Sexualität im Islam, einmal abgesehen von der inzwischen nicht mehr üblichen sexuellen Verfügung im Rahmen der Sklaverei und der diesbezüglichen Rechtsprechung, auf die Ehe beschränkt. Der Islam misst der Sexualität nicht nur im Hinblick auf die Fortpflanzung, sondern auch als einem psychischen und körperlichen Bedürfnis Bedeutung bei.

Talip Türcan

Ähnliche Einträge

Der Artikel ist auch in English und Turkish verfügbar.