Sunniten (isl.)

 
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(arab. Ahl al-Sunna, türk. Sünnîlik/Ehl-i Sünnet)

Der Begriff Sunniten bezeichnet diejenigen, die behaupten, dem Weg bzw. der Sunna des Propheten und seiner Gefährten zu folgen. Mitunter wird auch der allgemeinere Ausdruck Leute der Sunna und der Gemeinde (ahl al-sunna wa-l-dschama) verwendet. Im Hinblick auf die grundlegenden Fragen der Religion folgen sie dem Weg des Propheten und seiner Gefährten.

Wann der Begriff zum ersten Mal verwendet wurde, ist strittig. Nach einer auf Said Ibn Dschubair (gest. 714) zurückgeführten Überlieferung verwendete Ibn Abbas (gest. 687) diesen Begriff erstmalig. Er gehörte noch zu der Generation der Prophetengefährten. Jedoch existieren auch Überlieferungen, wonach der Begriff auf Ibn Sirin (gest. 728) oder Hasan al-Basri (gest. 728) zurückgehe.

In den ersten 150 Jahren des Islams bezeichnete der Begriff noch keine eigenständige Schule (madhhab), sondern vielmehr diejenigen, die sich mit der Überlieferung der Hadithe und der Sunna des Propheten beschäftigen. Die Herausbildung der Sunniten als einer Schule mit eigenständiger Lehre (ittiqad) vollzog sich erst im 9. Jh. Vor allem Abu Hanifa (gest. 767) beeinflusste die Entwicklung der sunnitischen Lehre durch dogmatische Abhandlungen über die Einsheit Gottes, das Prophetentum, rechte Lehre und rechte Praxis (al-iman wa-l-amal), göttliche Führung (al-hidaya), das Jenseits, die Gottesschau im Jenseits und Fürsprache. Innerhalb der Sunniten haben sich mehrere Richtungen herausgebildet. Die Entstehung der salafitischen Strömung (salafiyya) wird vor allem auf Ahmad Ibn Hanbal (gest. 855) zurückgeführt. Weitere Strömungen entstanden, als ungefähr ein Jahrhundert später al-Aschari (gest. 936) und al-Maturidi (gest. 944) die Lehren des Sunnitentums weiterentwickelten und systematisierten. Damit gelang es der sunnitischen Theologie, neben der Tradition auch die Vernunft bei der Begründung ihrer Lehren mit einzubeziehen. Infolge dieser Entwicklungen geriet die mutazilitsche Theologie allmählich in den Hintergrund.

Die Sunniten unterscheiden sich insofern von anderen Gruppierungen des Islams, als sie lehren, dass der Koran Gottes Wort ist und nicht erschaffen wurde, die göttlichen Attribute wirklich und ewig sind, alles entsprechend der göttlichen Vorsehung geschehen wird und Gott von den Gläubigen im Jenseits geschaut werden wird. Sie erkennen die vier rechtgeleiteten Kalifen als rechtmäßig an. Ansonsten jedoch stimmen ihr Glaubensbekenntnis und ihre religiöse Praxis (ibada) mit denen der anderen islamischen Richtungen vollkommen überein. Auch heute bilden die Sunniten die Mehrheit der Muslime.

Muammer Esen

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