Tod (isl.)

 
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(arab. Maut, türk. Ölüm)

Tod bedeutet das Ende des Lebens. Die Auflösung der Einheit von Leib und Seele hat den Tod zur Folge. Muslimische Gelehrte haben versucht, den Tod im Rahmen der Verhältnisbestimmung zwischen Leib und Seele zu erklären.

Es gibt zwei unterschiedliche Positionen. Nach der einen gilt die Seele für eine veränderliche Eigenschaft (Akzidens), nach der anderen für eine unveränderliche Substanz. Daraus resultieren zwei Deutungen des Todes: Jene, die die Seele als Akzidens definieren, nehmen an, dass sie nach dem Tod des Leibes nicht weiter existieren könne, da sie notwendigerweise mit dem Leib verbunden sei. In diesem Fall bedeutet die Anwesenheit der Seele im Leib das Leben, das Verlassen dagegen den Tod. Ein erneutes Leben ist nur durch Wiedererweckung des Menschen oder durch dessen Neuschöpfung möglich. Im Koran kommt dies in der Vorstellung zum Ausdruck, dass am Tag des Gerichtes sowohl Himmel und Erde als auch jeder einzelne Mensch neu geschaffen werden. Jedoch bewahren diese durch Neuschöpfung zur Existenz gebrachten Menschen die gleichen Züge, die sie in ihrer jeweiligen Identität entwickelt hatten (14 / 48). Der Verstorbene wird also in seinem vollständigen seelisch-leiblichen Zustand neu erschaffen.

Andere muslimische Gelehrte halten die mit dem Leib verbundene Seele für unzerstörbar und verstehen den Tod als Trennung von Leib und Seele. Hier ist der Leib – im Gegensatz zur obigen Auffassung – für die Existenz der Seele nicht erforderlich; die Seele existiert also unabhängig vom Leib. Gemäß dieser Auffassung wird der Leib auf ein Werkzeug reduziert, das der Seele untergeordnet ist.

Der Tod – sei es derjenige von Leib und Seele oder nur der des Leibes – ist ein Ereignis, das jedes Lebewesen trifft. Die islamische Religion legt dar, dass das Phänomen des Todes nur den Übergang von dem einem Existenzbereich in den anderen, von dem Leben in der Welt in das Leben im Jenseits, bedeutet. So betrachtet bedeutet der Tod also nicht Vernichtung oder Ende, sondern einen Übergang von der endlichen Existenz in die unendliche.

Şaban Ali Düzgün

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