Willensfreiheit (isl.)

 
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(türk. İrade Özgürlüğü)

Willensfreiheit bedeutet die Fähigkeit einer Person, ihre Handlungen eigenen Absichten und Zielsetzungen gemäß zu bestimmen und auszuführen. Willensfreiheit hat in der Beziehung des Menschen zu Gott eine theologische Dimension, in jener zum Staat eine politische, in der zur Gesellschaft eine soziologische und hinsichtlich der menschlichen Natur eine anthropologische.

In der islamischen Geistesgeschichte beziehen sich die Diskussionen über Willensfreiheit einerseits darauf, das Wesen des göttlichen Willens darzulegen, andererseits darauf, die dem Menschen gesetzten Grenzen der Willensfreiheit zu bestimmen. Alle theologischen Strömungen, mit Ausnahme der Mutaziliten, haben eine asymmetrische Beziehung zwischen der Absolutheit Gottes und dem menschlichen Willen postuliert.

Die Mutaziliten gingen von der göttlichen Gerechtigkeit und der Verantwortung des Menschen aus, die anderen Strömungen nahmen ihren Ausgang von der Absolutheit Gottes, Seinem ewigen Wissen und Willen. Die Auffassung der Mutaziliten besagt, dass Gerechtigkeit und Weisheit den Kern des göttlichen Willens bilden, sodass Er dem für seine Taten verantwortlichen Menschen einen Bereich der Vernunft, der Schaffenskraft und der Willensfreiheit zugestanden habe. Der zweiten Auffassung zufolge, die von den Aschariten vertreten wurde, ist der göttliche Wille absolut; Gott hat einschließlich des Willens des Menschen alles vorherbestimmt.

Die Mutaziliten betrachteten den Willensakt als Ergebnis des Zusammenwirkens von Wirkmächtigkeit (qudra) und Vernunft. Sie haben Wille auch in der Bedeutung von etwas wünschen oder begehren verwendet. In diesem Zusammenhang bedeutet Wille auf Gott bezogen schaffen und gebieten, auf den Menschen bezogen wollen und begehren. Demnach besitzt der Mensch einen freien Willen und seine Handlungen sind nicht von Gott vorherbestimmt.

Während der Koran auf der einen Seite die Absolutheit Gottes, Seine Gerechtigkeit und Seine Weisheit betont, spricht er auf der anderen Seite dem Menschen Willensfreiheit und Verantwortung zu. Dieser Umstand zeigt, dass die Absolutheit des göttlichen Willens die menschliche Willensfreiheit nicht ausschließt.

İbrahim Aslan

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