Absolutheitsanspruch (isl.)

 

(türk. Mutlak Hakikat İddiası)

Das Gebot »Es gibt keine Gottheit außer Gott« bildet den Kern des islamischen Glaubens und drückt den im Islam an vorderster Stelle stehenden Absolutheitsanspruch aus. Da es sich dabei um die grundlegendste Wahrheit handelt, darf dieses Gebot im Islam in keinerlei Weise revidiert werden, es besitzt einen absoluten epistemischen sowie normativen Status und bedingt daher notwendigerweise direkt oder indirekt alle anderen Wahrheiten und Wertansprüche. Das heißt mit anderen Worten, dass es sich dabei aus Sicht des Islams um ein grundlegendes Gebot handelt, das Maßstab ist für Richtig und Falsch und dafür, ob etwas islamisch oder nichtislamisch ist. Daher ist im Islam die Richtigkeit jeglicher Aussage davon abhängig, ob sie mit dem Gebot »Es gibt keine Gottheit außer Gott« in Einklang steht oder zumindest diesem nicht widerspricht. Die simple Erkenntnis, dass Wahrheit der Wahrheit bedarf oder keine einzelne Wahrheit im Widerspruch zur absoluten Wahrheit stehen darf, hat im Islam zur Folge, dass jede Wahrheit durch die absolute Wahrheit bedingt ist, und daher jede Wahrheit diese grundlegende Wahrheit in gewisser Weise bestätigt. Von ihrem Wesen her stellen die Offenbarung als Manifestation von Gottes absolutem Wissen sowie die Richtigkeit des mittels des von Gott gegebenen menschlichen Verstandes erlangbaren Wissens ein direktes oder indirektes Zeugnis dieser absoluten Wahrheit dar. Der Absolutheitsanspruch im Islam beinhaltet, wie gezeigt wurde, den Anspruch, dass außer Gott keinem anderen Wesen in dem Maße wie Gott selbst die Eigenschaft einer Gottheit zugeschrieben werden darf. Insoweit dieser Absolutheitsanspruch des Islams, der Einsheit und Transzendenz Gottes betont wird und soweit es gilt, dass es nichts und niemanden gibt, der Gott ebenbürtig oder mit ihm zu vergleichen wäre, kann gesagt werden, dass er auf ontologischer Ebene das Gesetz der Identität erfordert (alles ist mit sich selbst identisch), was wiederum die Voraussetzung für einige weitere grundlegende ontologische Axiome bildet. Beispielsweise besteht zwischen Gott und den anderen Wesen ein unüberwindbarer Unterschied: Gott ist Gott, und alles andere ist nicht Gott. Dies bedeutet, dass alles außer Gott, dem einzigen Schöpfer, aus dem Nichts geschaffen wurde, die Geschöpfe von seinem schöpferischen Akt abhängig sind und, solange sie existieren, seiner ständig bedürfen. Im Gegensatz dazu ist Gott, der auch in persona existiert und absolute Eigenschaften besitzt, als einziges Wesen bezüglich seiner Existenz von nichts abhängig und bedarf nichts und niemandes. Es kann gesagt werden, dass diese ontologische Differenz zwischen Schöpfer und Geschöpf auf mehreren (z.B. semantischen, epistemischen und ethischen) Ebenen eine Parallele zu der realistischen Vorstellung einiger grundlegend erforderlichen Unterscheidungen (Gegensätze) bildet. Genau wie das Urteil, welches den grundlegenden Unterschied zwischen Gott und den anderen Wesen ausdrückt, einen absoluten Wahrheitsstatus besitzt, so kann im Islam auch von einem nicht aufhebbaren Unterschied zwischen Richtig und Falsch, Wissen und Unwissenheit, Gut und Böse, Glaube und Unglaube gesprochen werden. Philosophisch betrachtet vertritt der Islam eine realistische Auffassung vom Sinn und der Richtigkeit der Aussagen. Damit legt er die eigene Vorstellung von Gott als die absolute und unverzichtbare Wahrheit zugrunde und betrachtet andere Religionen von diesem Standpunkt aus. Der Islam lehnt, um es anders zu sagen, relative oder pluralistische Wahrheitsauffassungen ab und betrachtet innerhalb der Offenbarungsreligionen die eigene Auffassung von Gott als die grundlegende Wahrheit.

Mehmet Sait Reçber

Auferstehung (isl.)

 

(arab. Bath, türk. Diriliş)

Die Auferstehung der Toten geschieht nach dem Tag des Jüngsten Gerichts, wenn Gott das Leben im Jenseits beginnen lässt. Im Koran ist dieser Tag als Tag der Auferstehung von den Toten erwähnt. Nach dem ersten Trompetenstoß am Tag des Jüngsten Gerichts werden alle Lebewesen – mit Ausnahmen, die Gott bestimmt – vernichtet; beim zweiten Trompetenstoß öffnen sich die Gräber und alle verstorbenen Lebewesen werden wieder zum Leben erweckt (82/4; 39/68). Die Auferstandenen erscheinen danach vor Gott (36/51), so als ob sie auf ein bestimmtes Ziel hin liefen (70/43). Des Weiteren heißt es im Koran, dass diejenigen, die – auf ihre vermoderten Knochen zeigend – fragen: »Wer kann die Gebeine lebendig machen, wenn sie schon zerfallen sind?«, die Antwort erhalten werden: »Der macht sie lebendig, der sie ein erstes Mal erschuf« (36/78–79). Da also Gott den Menschen bereits aus dem Nichts erschaffen hat, ist die Möglichkeit einer Auferstehung nach dem Tod leicht nachzuvollziehen.

Da muslimische Theologen Körper und Seele (ruh) als miteinander verbunden ansehen, sind sie der Auffassung, dass mit dem Tod des Körpers auch alle seelischen Funktionen verloren gehen. Damit nach dem Tod göttliche Strafe oder Belohnung dennoch einen Sinn erhalten, muss die Auferstehung der Toten eine körperliche sein. Der Vers, in dem berichtet wird, dass die Menschen »bis zu den Fingerspitzen« wiederauferstehen werden (75/4), wird von den Theologen als Beweis für diese körperliche Auferstehung der Toten angeführt.

Die muslimischen Philosophen sind dagegen der Überzeugung, dass »die Fingerspitzen« sich nicht auf eine körperliche Wiederauferstehung beziehen; es werde dadurch metaphorisch zum Ausdruck gebracht, dass die auferstandenen Personen mit den Toten identisch seien. Deshalb sei auch die Person, der im Jenseits eine Strafe zuerteilt werde oder die dort eine Belohnung erfahre, wesensgleich mit derjenigen, die im Diesseits gelebt habe. Die Art und Weise, in der die muslimischen Philosophen von der geistigen Auferstehung der Toten sprechen, führt zu keiner Bedeutungsminderung von Strafe und Belohnung.

Şaban Ali Düzgün

christliches Korrelat: Auferweckung der Toten

Aufklärung (isl.)

 

(arab. Tanwir, türk. Aydınlanma)

Die Beziehung zwischen dem Islam und der Aufklärung, die sich mit ihren philosophischen, religiösen, sozialen, politischen und sogar ideologischen Dimensionen im 18. Jh. im westlichen Denken entwickelt hat, kann aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht werden. Die Aufklärung steht wegen ihrer fundamentalen Parteinahme für Freiheit und Verantwortung des Individuums – in Opposition zu jeglicher nicht auf Vernunft und Wissen beruhenden Autorität – sowie wegen ihrer an den Einzelnen gerichteten Aufforderung zu Mut und verantwortlichem Handeln für eine radikale intellektuelle Wandlung und Wende und ist so zu einer höchst bedeutsamen Quelle des modernen Denkens geworden. Aus religiöser Sicht gibt es im aufklärerischen Denken unterschiedliche Ausrichtungen, die vom Deismus bis zum Skeptizismus, ja Atheismus reichen.

Bisher war das – noch entwicklungsfähige – Verhältnis zwischen Aufklärung und Islam bzw. islamischem Denken vor allem unter historischem Blickwinkel Gegenstand der Forschung, etwa im Hinblick auf den Beitrag einiger Denker, z.B. Ibn Ruschd (Averroes; gest. 1198). Zweifellos hat das Gedankengut der Aufklärung die islamische Welt direkt und indirekt beeinflusst. Aus unterschiedlichen Gründen gab es jedoch im Islam parallel zur Aufklärung keine entsprechende Entwicklung. Dessen ungeachtet lassen sich auf theoretischer Ebene zwischen den von der Philosophie der Aufklärung und den im Islam vertretenen erkenntnisbezogenen und ethischen Positionen teilweise Ähnlichkeiten und Kongruenzen feststellen. Die Tatsache, dass der Koran dem Menschen Erkenntnisfähigkeit und Moralität zuschreibt, ihn zum eigenständigen Nachdenken und zur Erkenntnis aufruft und ihn zugleich in die Verantwortung für sein Handeln nimmt, kommt der Grundposition der Aufklärung bemerkenswert nahe. Verkehrt wäre allerdings, von einem derart allgemeinen Gesichtspunkt aus zu schlussfolgern, islamisches und aufklärerisches Denken seien deckungsgleich und stünden in keinerlei Widerspruch zueinander.

Bei der Bewertung des Verhältnisses zwischen Islam und Aufklärung ist es wichtig, sich darüber klar zu werden, welche Ausprägung von Aufklärung gemeint ist. Ganz klar lehnt der Islam die skeptizistischen, materialistischen und atheistischen Richtungen innerhalb der Aufklärung ab. Stattdessen fordert er vom Einzelnen, indem er ihm in einigen grundlegenden Fragen, wie jener nach der Existenz Gottes, eine moralische Verantwortung auferlegt, seine Vernunft zu gebrauchen, um zur Erkenntnis zu gelangen und auf diese Weise zum Ansprechpartner von Offenbarung zu werden. Genauso lässt sich das Verhältnis von Islam und Deismus, einer deutlich religiös geprägten Richtung der Aufklärung, bestimmen. Beide heben die Bedeutung der Vernunft hervor. Die Ablehnung jeglicher Offenbarung im Deismus kann der Islam jedoch nicht teilen. Da aus theologischer Sicht Vernunft und Offenbarung gleichermaßen im Zentrum der islamischen Botschaft stehen, lehnt der Islam Auffassungen innerhalb der Aufklärung ab, die Offenbarung ausschließen.

Der Koran lehnt Glaubensauffassungen ab, die nicht mit der Vernunft vereinbar oder der Vernunft nicht zugänglich sind, und unterstreicht zugleich die Vernunftbegründetheit der von ihm verkündeten Glaubensgrundsätze. Ein Vernunftund Wissensverständnis, das Offenbarung ausschließt, stellt aus koranischer Sicht eine grundlose Einengung und einen Reduktionismus dar. Mit anderen Worten entbehrt ein Denkansatz, der Offenbarung ausschließt und den sowohl moralisch fehlbaren als auch in seiner Erkenntnisfähigkeit begrenzten Menschen zum Maßstab nimmt, jeglicher Grundlage. Aus islamischer Sicht gelten bei der Bestimmung dessen, was letztlich verstandesmäßig erkennbar oder dem Wissen zugänglich ist, die vom Menschen aufgestellten Kriterien nicht als endgültig. Zwar ist der Mensch mit der Fähigkeit und dem Potenzial zur Erkenntnis ausgestattet. Da er jedoch erschaffen ist, liegt die letztendliche Referenz nicht bei ihm, sondern bei Gott, dem Schöpfer. Insofern ist der Mensch auf Führung durch die Offenbarung angewiesen. Zusammenfassend ist hervorzuheben, dass zwischen Islam und Aufklärung zwar Übereinstimmung in Bezug auf einzelne Werte besteht, etwa in dem Punkt, dass der Einzelne eine erkenntnisbezogene und moralische Verantwortung trägt. Hingegen lehnt der Islam grundsätzlich aufklärerische Ansätze ab, die Offenbarung ausschließen. Denn aus islamischer Sicht ist die Führung durch die Offenbarung notwendig, um die genannten erkenntnisbezogenen und moralischen Ideale zu verwirklichen. Wenn also von islamischer Aufklärung oder von Aufklärung im Islam gesprochen wird, kann das ausschließlich eine aufgeklärte Haltung sein, die Offenbarung für notwendig ansieht.
Wenn der Islam empfiehlt, sich gegen ungerechtfertigte Haltungen und Autoritäten zur Wehr zu setzen, so sieht er bei der Verwirklichung eines derartigen Ideals die Offenbarung als einen göttlichen Segen an.

Mehmet Sait Reçber

Blasphemie (isl.)

 

(arab. al-Tahqir al-Din wa-l-Muqaddas, Kufr, türk. Kutsala Hakaret)

Blasphemie bedeutet Schmähung einer Religion oder religiöser Werte. Sowohl im Koran als auch in den Hadithen werden Situationen geschildert, in denen Blasphemie und Gotteslästerung betrieben wurden (vgl. 4 / 46; 6 / 108). In den Schriften islamischer Theologen und Rechtgelehrter wird Schmähung der Religion oder religiöser Werte in drei Bedeutungen verwendet: Schmähung der Zeit, im Sinne der Verfluchung des Schicksals, das Gott dem Menschen zuerteilt; Beleidigung des Gesandten Gottes; Erniedrigung der Gefährten des Propheten. Im Koran wird darüber hinaus von den Gläubigen verlangt, keine Götzen zu schmähen, mit dem Hinweis, dies könnte sonst dazu führen, dass die Götzendiener ihrerseits Gott beleidigen (6 / 108).

Die Beschimpfung oder Schmähung einer Religion oder des Heiligen impliziert den Gebrauch von Wörtern oder Handlungen in der Absicht, eine Religion oder religiöse Werte herabzusetzen. Den Koran, die heiligen Schriften der Juden und Christen oder eine andere von Gott herabgesandte Schrift zu schmähen, die Propheten zu beleidigen oder nicht ernst zu nehmen gilt als Zeichen des Unglaubens. Eine Erniedrigung, die nicht mit der Absicht einer Beleidigung verbunden ist, sondern bei einer philosophischen oder literarischen Aussage, bei Vergleichen, Sprichwörtern oder in der Dichtkunst erfolgt, wird nicht als Blasphemie eingestuft. Doch der Urheber wird zurechtgewiesen.

Analysiert man die Standpunkte der islamischen Rechtsschulen bezüglich der Blasphemie, so vertreten sie unterschiedliche Ansichten, je nachdem, ob ein Muslim oder ein Nichtmuslim sich schuldig macht. Einige Gelehrte bewerten Blasphemie seitens eines Muslims als Abfall vom islamischen Glauben. Andere wiederum erachten Blasphemie für ein noch größeres Vergehen als den Abfall vom Glauben. Dementsprechend urteilen sie, dass die Reue von jemandem, der vom Glauben abgefallen ist, von Gott angenommen werde, die eines Blasphemikers dagegen nicht. Einige Gelehrte meinen jedoch, dass sowohl dem einen als auch dem anderen vergeben werde, sofern sie Reue zeigen. Die Schmähung religiöser Werte seitens eines Nichtmuslims hingegen wird nur als Vergehen angesehen.

Für beide Fälle gibt es im Koran keine Bestimmungen. Nach Ansicht der hanafitischen Rechtsschule gehört Blasphemie folglich nicht zu den Vergehen, für welche die Strafen eindeutig festgelegt sind, sodass deren Bemessung dem Urteil des Richters überlassen bleibt. Für den Fall der Wiederholung oder der Weigerung, Reue zu zeigen, sahen die Hanafiten allerdings die Todesstrafe vor. Der hanafitische Rechtsgelehrte al-Bazzazi (gest. 1424) sagt beispielsweise, dass Gott die Reue eines Gotteslästerers annehmen werde, nicht jedoch die Reue einer Person, die den Propheten geschmäht habe. Dies lässt darauf schließen, dass al-Bazzazi Gotteslästerung als Sünde bewertet, eine Beleidigung des Propheten hingegen als weltliches Vergehen. Generell neigte die hanafitische Rechtsschule jedoch dazu, für jegliche Art von Vergehen und Sünden die Möglichkeit der Reue und Buße einzuräumen. Leider wurden viele Denker, die von der Norm abweichende religiöse Ansichten vertraten, aufgrund von al-Bazzazis Rechtsgutachten (fatwa) als Blasphemiker verurteilt und grausam bestraft.

Ausgehend von der Tatsache, dass im Koran für Blasphemie keine Strafe vorgesehen ist, meinte die schafiitische Rechtsschule, die in einem muslimischen Staat lebenden Nichtmuslime unterstünden den Bestimmungen, für die sie sich durch Unterzeichnung des diesbezüglichen Schutzbefohlenenvertrages entschieden hätten.

Heutzutage muss man das Thema Schmähung der Religion und religiöser Werte im Rahmen der Menschenrechte sehen. In der modernen Welt sollte der Einzelne prinzipiell den Glauben anderer Menschen achten. Menschen, deren Religion oder religiöse Werte geschmäht werden, sollten ihre Reaktion gegen die Einschränkung ihrer Menschenrechte in angemessener Form zum Ausdruck bringen dürfen, jedoch ohne dabei selbst in Schmähungen, Beleidigungen, Gewalt oder andere Formen aggressiven Verhaltens zu verfallen.

Şaban Ali Düzgün

Christentum (isl.)

 

(arab. Masihiyya, Nasraniyya, türk. Hıristiyanlık)

Im Koran werden die Angehörigen des Christentums als Nasara bezeichnet oder auch Leute des Evangeliums, Leute des Kreuzes, Leute des Buches genannt. Der Koran erwähnt die Gläubigen und die Schriftbesitzer, Christen und Juden, nebeneinander. Für sie gilt folgende Verheißung: »Siehe, diejenigen, die glauben, die sich zum Judentum bekennen, die Christen und die Sabier – wer an Gott glaubt und an den Jüngsten Tag und rechtschaffen handelt, die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn, sie brauchen keine Furcht zu haben und sollen auch nicht traurig sein!« (2 / 62; vgl. 5 / 69). Der Koran erwähnt Jesus und seine Mutter Maria voller Liebe und Hochachtung (3 / 42  51). Doch werden die Christen kritisiert, weil sie Jesus, einen Menschen und Propheten, zum Gott erklärt, das Evangelium verfälscht (2 / 75, 79, 85; 3 / 78), die ihnen gesandte Offenbarung abgeändert (4 / 171) und einen Teil dessen, was im Evangelium stand, verborgen und vergessen (5 / 14  15) hätten.

Liest man die auf das Christentum bezogenen Koranverse genau, so fällt auf, dass Jesus, im Gegensatz zur christlichen Auffassung, als Knecht Gottes und Sein Prophet bezeichnet wird. Er selbst betonte nach dem Koran: »Ich kam zu euch, um zu bestätigen, was vor mir war von der Tora, und um euch manches von dem zu erlauben, was euch verboten war. […] Siehe, Gott ist mein Herr und euer Herr! So dienet Ihm! Das ist ein gerader Weg« (3 / 50  51). Die Christen haben ihn nach seinem Tod trotz seiner klaren gegenteiligen Verkündigung, wie der Koran sagt, zur Gottheit erhoben und somit Gott beigesellt. Dieser Gottesvorstellung haben sie später den Heiligen Geist hinzugefügt und den Trinitätsglauben entwickelt. Im Koran werden die Christen aufgrund dieser dreieinigen Gottesvorstellung kritisiert und diejenigen, die sich zu dieser Glaubensform bekennen, als Leugner (kafir, Pl. kuffar) bezeichnet (5 / 17, 72  73).

Im Koran wird auch das Mönchtum kritisiert, weil es nicht zum Wesen des Christentums gehört, sondern später eingeführt wurde, um das Wohlgefallen Gottes zu erlangen. Darüber hinaus ist es auch nicht »in der rechten Weise« bewahrt worden (57 / 27). Das Mönchtum war anfangs durch den Verzicht auf menschliche Wünsche und die Abkehr von der Welt geprägt. Einige Mönche und Geistliche jedoch nutzten das dahingehend aus, dass die christliche Gemeinschaft sie zu Heiligen erklärte, die über das Menschliche erhaben seien (9 / 31). Man darf nicht übersehen, dass sich die Kritik des Korans auf die spätantike Vorstellung des Christentums vom Mönchtum und auf einige christliche Geistliche bezog, sie darf daher nicht verallgemeinert werden.

Selbst der Koran zielt mit seiner Kritik nicht allgemein auf alle Christen. Er spricht u. a. von christlichen Priestern und Mönchen, die nicht hochmütig waren und mit Muslimen Freundschaft pflegten (5 / 82). Den Christen insgesamt begegnet der Koran positiv und merkt an, dass unter den Schriftbesitzern die Christen hinsichtlich der Liebe den Muslimen am nächsten stehen. Deshalb besteht kein Hindernis, unter Berufung auf den Koran die positive Annäherung zwischen Christen und Muslimen in der heutigen Zeit fortzuführen.

Mehmet Katar

Demokratie (isl.)

 

(türk. Demokrasi)

Demokratie bezeichnet eine Regierungsform des modernen Staates, in der alle Gewalt vom Volk ausgeht. Grundprinzip einer Demokratie ist das direkte oder indirekte Mitspracherecht des Volkes bei der Bestimmung der führenden Organe des Staates sowie bei Entscheidungsprozessen. Dazu gehören aktives und passives Wahlrecht sowie die Partizipation an staatlichen Entscheidungsorganen durch Institutionen der Zivilgesellschaft.

Der Islam empfiehlt keine bestimmte Regierungsform. Auch wenn es im Islam eine lange Tradition der Staatsführung gibt, die auf den Koran und – in noch stärkerem Maße – auf die Praxis des Propheten rückverweist, so handelt es sich dabei dennoch nicht um eine einheitliche Tradition.

Die Schulen der Ibaditen und die Mutaziliten befürworten eine Regierungsform, die sich auf ein Wahlrecht stützt. Die Schiiten hingegen vertreten entsprechend ihrem Verständnis des Imamats die Ernennung des Staatsoberhauptes. Die Sunniten wiederum gehen von dem Prinzip der Unantastbarkeit des Staates aus; d. h., der Staat als solcher ist das Wichtigste, nicht aber, wer ihn regiert. Der Staat ist etwas Bleibendes, die Regierung nur vorübergehend. Dabei ist Gehorsam gegenüber der Regierung ein Grundprinzip.

Sieht man davon ab, dass Muhammad als Prophet zugleich den Status eines Staatsoberhauptes hatte, kann man die Tatsache der Wahl der ersten vier Kalifen (Regierungsperiode 632  661) als Zeichen der Offenheit des Islams für die Demokratie deuten. Zwar waren seit den Umayyaden Kalifat und Sultanat verbunden, und über Jahrhunderte wurden die Ämter vom Vater auf den Sohn vererbt, doch dies besagt nicht, dass Muslime an diese Staatsform gebunden sind. Aus theologischer Perspektive wird weniger über die Staatsform an sich als um deren Handhabung diskutiert. Dabei spielen vor allem Prinzipien wie Recht, Gerechtigkeit und Gleichheit eine wichtige Rolle. Gegenseitige Beratung ist ein Regierungsprinzip, das Muhammad im Koran angeraten wurde und das er dann seinerseits den Regierenden empfohlen hat (s. Tirmidhi; Tirmidhi). Aus der Sicht der grundlegenden Quellen des Islams spricht nichts gegen Ansätze, bei denen die Regierung eines Staates vom Volk gewählt wird und die Volksvertreter bei Entscheidungen ein Mitspracherecht besitzen, während das Volk durch zivilgesellschaftliche Organisationen auf bestimmte Entscheidungen Einfluss nimmt. Muhammad wertschätzte den Mehrheitswillen des Volkes, indem er erklärte, seine Gemeinschaft als Ganze werde sich nicht auf Abwege begeben (s. Ibn Madscha).

Cemal Tosun

Dschihad (isl.)

 

(arab. Dschihad, türk. Cihad)

Dschihad bezeichnet eine außerordentliche, bis an die Grenze gehende Anstrengung des Menschen, Gottes Wohlgefallen zu erlangen und das Wohlergehen der Mitmenschen zu fördern. Die auf das eigene Innere gerichtete Anstrengung des Menschen wird als großer Dschihad bezeichnet. Wenn der Dschihad nach außen gerichtet ist – kriegerische Auseinandersetzungen mit eingeschlossen –, wird er als kleiner Dschihad bezeichnet.

Die Wortwurzel von Dschihad findet sich auch in dem von der islamischen Rechtswissenschaft verwendeten Begriff Idschtihad wieder. Letzteres bezeichnet ein intellektuelles Bemühen, Religion und Leben zu deuten und zu verstehen. Durch den Koranvers 25 / 52, in dem erstmals das Wort Dschihad vorkommt, wird Muhammad geoffenbart, er solle mithilfe der göttlichen Botschaft gegen den Unglauben ankämpfen.

Der Islam möchte vorrangig das Individuum formen; er zielt darauf ab, dass der Mensch in seiner Beziehung zu sich selbst, zu anderen und zu Gott ein konsequent-ethisches Leben führt. Aus dieser Perspektive soll der Mensch seine Grenzen erkunden und sich zugleich intensiv bemühen, seinen Schöpfer zu erkennen. Es obliegt dem Menschen, die höchste Wahrheit zu finden und die vielfältigen Wege zu erkunden, die ihn dorthin führen können. Im Koran wird geoffenbart, dass diese Anstrengungen der Muslime nicht vergeblich sein werden (29 / 69).

Es besteht eine enge Beziehung zwischen dem Begriff Dschihad und dem Sinn der Existenz des Menschen. Im Koran wird gesagt, dass die Menschen geschaffen wurden, damit sie Gott anbeten. Um beten zu können, muss das Wesen, das anzubeten ist, erkannt werden. Daher sollte es das erste Ziel eines jeden Menschen sein, Gott zu erkennen. Der Mensch muss alle erdenklichen Anstrengungen unternehmen, um die ihm von Gott gegebenen Möglichkeiten und Fähigkeiten, vor allem das Denkvermögen, angemessen zu nutzen. Der Mensch stößt auf der Reise zur Wahrheit und zur Tugend, die ihn Gott näherbringt, auf viele innere und äußere Hindernisse, mit denen er sich auseinandersetzen muss. Diese Tatsache wird auch durch die Aussage des Propheten nach einem Feldzug deutlich, der zufolge der kleine Dschihad beendet sei und man nun zu dem großen Dschihad, d. h. zur Beseitigung innerer Hindernisse, übergehen müsse (s. Adschluni).

Dschihad umfasst jede ethisch legitime Verteidigung gegen Drohungen und Angriffe, die gegen die Würde des Menschen, die Religion, die eigene Familie und das eigene Land gerichtet sind. Das bedeutet, dass Dschihad, wenn es sich um Selbstverteidigung handelt, in Ausnahmezuständen als gerechtfertigter Krieg legitim ist (22 / 39). Dschihad als eine Aufforderung zu bedingungslosem Krieg, sowohl gegen Nichtmuslime als auch gegen aus ihrer Sicht ungläubige Muslime, zu interpretieren ist ein Fehler. Die vom Wesen des Islams vorgesehene Lebensform zielt vielmehr auf Frieden und Wohlbefinden.

Engin Erdem

Ehe (isl.)

 

(arab. Zawadsch, Nikah, türk. Evlilik)

Im allgemeinen muslimischen Verständnis ist die Ehe als eine soziale, moralische und rechtliche Institution Fundament sowohl des Familienbundes als auch der sozialen Struktur. Nach Auffassung islamischer Rechtswissenschaftler ist Ehe ein zivilrechtlicher Vertrag zwischen einem Mann und einer Frau, gegen deren Heirat keine Hindernisse vorliegen dürfen. Gemäß dem Koran ließ Gott Adam als den ersten Menschen auf Erden nicht allein, sondern schuf ihm eine Partnerin (4 / 1). Der Vers, in dem Gott gebietet: »Adam, wohne du mit deiner Ehefrau im Paradiesesgarten« (7 / 19), impliziert, dass Adam mit seiner Frau im Paradies eine Familie gebildet hat.

Die wechselseitige Anziehung beider Geschlechter liegt in der Natur des Menschen und bildet die Voraussetzung für den Fortbestand des Menschengeschlechts. Die große Mehrheit der Muslime legt großen Wert auf die Institution der Ehe, weil dadurch die emotionalen und physischen Bedürfnisse des Menschen (Liebe, Sexualität, Vertrauen, Geborgenheit) auf rechtem Wege erfüllt werden und Kinder in einem sicheren familiären Umfeld aufwachsen können. Außerdem kann durch die Ehe Nachkommenschaft gewährleistet und die in einem jeden Menschen verankerte Liebe zum Kind erfahren werden.

Der Koran ermutigt ledige Menschen zu heiraten und empfiehlt jenen, die noch unverheiratet sind, bis zur Heirat auf Geschlechtsverkehr zu verzichten (24 / 32  33). Der Ehebruch (zina) ist hingegen verboten, weil dieser nicht nur den Ehepartner verletzt, sondern auch die soziale, moralische und rechtliche Struktur von Familie und Gesellschaft beeinträchtigt. Nach vielen Hadithen hat auch Muhammad die Menschen dahingehend unterwiesen, dass die Ehe der übliche und auch von ihm selbst beschrittene Weg sei und dass jeder, der sich davon abwende, zugleich vom Weg des Propheten abweiche (s. Ibn Madscha). Muhammad empfahl jungen Erwachsenen zu heiraten (s. Bukhari).

Die Ehe (nikah) wird nach islamischem Recht im Beisein von zwei Zeugen durch einen von beiden Partnern freiwillig unterzeichneten Vertrag besiegelt. Die Mehrheit der Muslime misst der beiderseitigen freien Willensentscheidung in der Partnerwahl große Bedeutung bei und lehnt diesbezüglich die Ausübung von Druck seitens der Familien ab. Nach islamischer Vorstellung ist jeder geistig gesunde Mensch, der die Pubertät erreicht hat, für seine eigenen Handlungen verantwortlich. Aus diesem Grund hat Muhammad bestimmt, dass in Bezug auf die Eheschließung die Zustimmung der Frau notwendig ist (s. Bukhari). Die Tatsache, dass es dennoch bis heute Zwangsverheiratungen gibt, findet keinerlei Stütze im Koran.

Für die biologische und geistige Entwicklung des Menschen ist die Familie das beste Umfeld. Im Koran werden Liebe und Barmherzigkeit unter den Eheleuten sogar zu den Zeichen der Existenz Gottes gerechnet (30 / 21). Was religionsverschiedene Ehen betrifft, so ist es traditionell möglich, dass ein muslimischer Mann eine nichtmuslimische Frau heiratet; jedoch nicht, dass eine muslimische Frau einen nichtmuslimischen Mann heiratet. Ehen, die gegenwärtig in manchen Ländern zwischen muslimischen Frauen und nichtmuslimischen Männern geschlossen werden, machen es erforderlich, dass das Thema erneut diskutiert wird.

İsmail Hakkı Ünal

Ethik (isl.)

 

(arab. Akhlaq, türk. Ahlak)

Ethik hat nach islamischem Verständnis einen umfassenderen Bedeutungsgehalt als Ethik im nichtislamischen Verständnis und steht in unmittelbarer Beziehung zu Religion, Charakter und Verhaltensweisen. Der Terminus findet in drei unterschiedlichen Formen Verwendung: a) allgemeine Lebensform (z. B. islamische Ethik), b) Summe von Verhaltensregeln (z. B. Berufsethik) und c) Reflektieren über Verhaltensregeln und Lebensweisen (z. B. Ethik als Sparte der Philosophie).

Nach islamischer Vorstellung herrscht eine enge Verbindung zwischen Ethik und dem menschlichen Charakter. Demnach ist dem Menschen eine Befähigung zu ethischem Verhalten wesensmäßig zueigen, er besitzt einen ethischen Wesenskern. Das zeigt sich u. a. bei Gewissensentscheidungen, denen immer Ethik zugrunde liegt. Zwischen der Aussage Muhammads: »Ich wurde gesandt, um die ethischen Tugenden zur Vollendung zu führen« (s. Baihaqi) und der Vorstellung von einer allen Menschen gemeinsamen Ethik besteht ein enger Zusammenhang. Die Annahme eines ethischen Wesenskerns steht im Gegensatz zu der Auffassung, dass der Mensch infolge der Evolution aus Materie hervorgegangen sei, und sie unterscheidet Ethik auch von Tradition, Gewohnheit und Sitte. Ethik deutet nämlich auf universell gültige Handlungsnormen hin, Traditionen verweisen dagegen auf relative. Auch die Beziehungen, die der Mensch mit allen Lebewesen und mit seinem Schöpfer eingeht, sind Gegenstand der Ethik.

Ethik, die im Allgemeinen als die Wissenschaft von den Willenshandlungen definiert wird, ist ein normativer Wissenschaftszweig, der Regeln liefert, nach denen Handlungen gebilligt oder missbilligt werden. Die Wissenschaft der Ethik gliedert sich in zwei Bereiche, einen theoretischen, der sich mit den allgemeinen Prinzipien befasst, und einen praktischen, der konkrete Handlungsanweisungen erarbeitet.

Das wichtigste Problem auf theoretischer Ebene ist die Frage nach der Quelle des Ethischen. Die Antworten auf diese Frage unterscheiden sich je nach dem Zusammenhang, der zwischen Wirklichkeit und Wert hergestellt wird. Nach den Theologieschulen der Mutaziliten und der Maturiditen ist die Wirklichkeit mit Werten verbunden; Gott hat diese mit Qualitätsmerkmalen wie Gut oder Böse erschaffen und zugleich durch Seine Gebote den Menschen das Gute befohlen und das Böse verboten. Der Mensch verfügt über die Möglichkeit, Gut und Böse unabhängig von der Offenbarung zu erkennen. Denn von Gott wird etwas nur angeordnet, weil das Angeordnete an sich gut und nützlich ist; ebenso wird etwas verboten, weil das Verbotene an sich böse und schädlich ist. Die Aschariten hingegen vertreten die Auffassung von einer wertneutralen Schöpfung. Erst durch die Offenbarung weiß der Mensch, was gut und böse ist. Was Gott befiehlt, ist gut, was er verbietet, ist böse.

Mutaziliten und Maturiditen bewerten die menschlichen Handlungen nach deren Konsequenzen; der ethische Wert einer Handlung wird nach dem Nutzen oder Schaden bewertet, den sie zur Folge hat. Bei den Aschariten bemisst sich der Wert einer Handlung nicht nach ihrer Folge, sondern nach der Intention (niyya) des Menschen. Ethische Bestimmungen tragen in den oben genannten theologischen Strömungen den Charakter des Unbedingten, jedoch kann ein einzelnes ethisches Urteil, das bezüglich einer Person ausgesprochen wurde, immer infrage gestellt werden.

Die islamischen Ethiker messen den praktischen Aspekten der Ethik ein größeres Gewicht bei als den theoretischen. Die islamische Religion bietet dem Menschen ein Vorbild für seine ethische Entwicklung, nämlich den Propheten Muhammad. Er hat die Gebote Gottes nicht nur an die Menschen weitergegeben, sondern sie auch selbst in beispielhafter Weise praktiziert, wodurch er zu einem Vorbild für die Menschen wurde. Es ist für den Muslim eine religiöse und ethische Pflicht, sich Muhammad hinsichtlich dessen Lebensführung auch für sein eigenes Leben zum Vorbild zu nehmen. Denn im Koran spricht Gott zu Muhammad: »Du bist, fürwahr, ein Mensch mit hohen moralischen Maßstäben« (68 / 4); und zu den Menschen: »Ihr habt ja im Gesandten Gottes ein schönes Vorbild für den, der Gott und den Jüngsten Tag erwartet und der Gottes oft gedenkt« (33 / 21).

Koran und Hadithe betonen stets Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit als Tugenden, sodass wahrhaftig zu sein als das erste Gebot der Ethik bezeichnet werden kann. Weitere zentrale islamische Tugenden sind Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Vertrauenswürdigkeit, Genügsamkeit, Gottvertrauen, Großzügigkeit und Geduld.

Recep Kılıç

Familie (isl.)

 

 (arab. Aila, türk. Aile)

Familie ist eine aus mindestens zwei Menschen bestehende Lebensgemeinschaft, deren Grundlage ein zwischen Frau und Mann geschlossener Ehevertrag bildet.

Die Familie bildet die Grundstruktur des gesellschaftlichen Lebens. Nach den heiligen Texten der monotheistischen Religionen hat der erste Mensch, Adam, mit seiner Frau Eva die erste Familie gegründet. Gott hat im Koran geboten: »Adam! Wohne du mit deiner Frau im Paradiesesgarten« (7 / 19), und damit gesagt, dass Adam und Eva eine Familie gebildet haben.

Die gegenseitige Anziehung der Geschlechter gehört zur Schöpfung und dient zur Fortführung der Generationen und des gesellschaftlichen Miteinanders. Im Koran, in dem die Bedeutung der Familie in rund zweihundert Versen zur Sprache kommt, heißt es: »Ihr Menschen! Fürchtet euren Herrn, der euch aus einem Wesen schuf und der daraus sein Gegenüber schuf und der aus beiden viele Männer und Frauen entstehen ließ!« (4 / 1). Es heißt auch: »Und zu Seinen Zeichen gehört, dass Er euch Gattinnen aus euch selber schuf, damit ihr bei ihnen Ruhe findet. Und Er stiftete unter euch Liebe und Barmherzigkeit. Siehe, darin liegen wahrlich Zeichen für Menschen, die nachdenklich sind« (30 / 21).

Im Islam ist die Familie die wichtigste gesellschaftliche Institution und die am besten geeignete Umgebung für die natürliche und geistige Entwicklung des Menschen, da in ihr Werte verwirklicht und weitergegeben werden können. Die Familie ist eine Schule, in der Liebe und Solidarität erlebt und in der menschliche und ethische Grundwerte angeeignet werden können. Neben den geschlechtlichen Bedürfnissen der Ehepartner erfüllt die Familie emotionale Bedürfnisse wie Liebe, Verbundenheit, Schutz, Vertrauen und psychologische Unterstützung am besten. Auch für die Erziehung der Kinder gibt es keine besser geeignete Institution. In der Familie kommt ein Kind in seiner Persönlichkeitsentwicklung erstmals mit dem Glauben, den Werten der Kultur und der Tradition einer Gesellschaft in Kontakt. Die Familie erfüllt die physischen und geistigen Bedürfnisse des Kindes und schützt seine Entwicklung. Die Gebote Gottes sowie die Worte und Taten des Propheten zielten darauf ab, eine Familie zu schaffen, die sich auf Liebe, Respekt und auf das Bewusstsein für Rechte und Pflichten gründet.

İsmail Hakkı Ünal